Die Heiterkeit der Oberwelt

September 2011

Zaki Al Maboren, ist ein Künstler vieler Welten. Er stammt aus dem Sudan, lebt in Kassel und hat in beiden Ländern Kunst studiert. Er verbindet durch seine Person und seine Werke Kulturen miteinander, fordert zum Dialog auf und zeigt uns den Reichtum, der in der Vielfalt steckt. Seine neuesten Arbeiten, eine Serie von Gemälden aus Venedig, ist im September im Glashaus zu sehen.

Die Bilderwelt von Zaki Al Maboren ist farbenprächtig froh. Sie strahlt Lebendigkeit und Tiefe aus und vor allem sie strahlt. Die Bilder scheinen wie ein Schaukasten von innen zu leuchten, sie strahlen wie ein Fensterbild, durch das die Sonne scheint. Im Gegensatz zu früheren Bildern, in denen die Farben fast mosaikartig voneinander abgegrenzt waren, besteht die Bilderserie „Venezia“ aus Farbverläufen, einem Über- und Untereinander von verschiedenen Farbschichten, die fast abstrakt wirken. Der Pinselstrich und die Farbstruktur gewinnen ihre eigene Dynamik, die Fläche lebt für sich selbst. Die Bildoberfläche ist ein dichtes und lebendiges Gewebe aus Farbe und Formen und entführt direkt in die geheimnisvolle Welt Venedigs.

Da spannt sich wie ein Regenbogen eine Brücke durch das Bild. Die Menschen und die Steine sind miteinander verwoben, sie bilden eine Einheit, eine fließende Menschenmenge mit bunten Regenschirmen, eine Brücke so voll wie ein überlaufender Eimer. Dahinter eine Häuserfront, sandfarben mit bunten Fenstern, Giebeln und Blumen, darüber der dunkel blau-türkise Himmel. Unter all dieser Heiterkeit und dem Frohsinn gähnt das tief schwarz-blau leuchtende Wasser, eine geheimnisvolle Welt als Gegenpol zu all der Heiterkeit der Oberwelt.

Venedig, das ist eine überbordende Fülle aus Architektur, Menschen, Wasser, Farben und Gerüchen. Alles steigert sich noch einmal bei dem Karneval von Venedig, wo tausende die Straßen füllen und ausgelassen feiern. Und all das steigert sich noch einmal in dem Bilderzyklus von Zaki Al Maboren. Er verleiht dieser überschäumenden Lebendigkeit bildnerischen Ausdruck, er findet auch die Momente der Ruhe, die nötig sind, um diese Fülle zu ertragen. Wie zum Beispiel in dem Bild „Giardini“, ein Park und Schauplatz der Biennale d’Arte. Hier ruht das Auge auf einer grün-blau schimmernden Fläche mit fein gezeichneten Strichen. Ein Ausschnitt aus einem Kanal, in dem das Wasser zu Ruhe gekommen ist und in dem sich das Grün der Bäume bricht. Dann wandert das Auge gleich wieder zu einer Reihe von Bildern: die „Casa Venezia“ in Rot, Braun und Gelb. Eine Häuserreihe mit angedeuteten Fenstern, Türen, Blumen, Verzierungen, Gittern, Wäsche und Dächern. Die farbige Grundstimmung wechselt mit den Bildtiteln, die Lebendigkeit und der Eindruck von Verfall bleiben.

Wunderschön sind auch die Abendstimmungen, die Zaki Al Maboren in seinen Bildern eingefangen hat. Wird es abends dunkel in Venedig? „Die Schatten des Markusplatzes“ leuchten in einem warmen gold-braun – ein heißer Sommerabend mit einem leichten Sonnenbrand auf der Haut. Aus vielen übermalten Schichten in geschwungenen Bögen und Geraden gemalt, treten Architekturteile – Kuppeln, Dächer, Fassaden – daraus hervor. In dem Bild „Zwanziguhrdreißig“ ist die Nacht dunkel. Der Himmel, eine kleine Fläche über den rot-braun schimmernden Häusern, ist schwarz. Zwei Drittel der Bildfläche nimmt das dunkelblaue Meer mit den typischen Gondeln und den gedrehten Säulen ein. Ein Klischee? Nein, denn die tiefe Schwärze des Meeres ist fern von Romantik. Die Boote bilden sowohl farblich als auch von ihrer Form eine Einheit mit dem Wasser, sie sind die brodelnde Lebendigkeit, von der sich das Leben auf den Straßen nährt.

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