Farbigkeit ist für mich Leben
März 2001
Ihr Thema ist die Farbe, ihre Gegenstände sind Menschen und Blumen. Die Holler Künstlerin Marie-Luise Weber stellt unter dem Titel „Menschen und Grünzeug“ Portraits, Akt- und Blumenbilder im Glashaus aus. Viel mehr als die dargestellten Gegenstände ist es die Farbe, die das Bild trägt und die Stimmung transportiert.
Wer kennt sie nicht, die Seerosenbilder von Claude Monet, reinste Farbkompositionen, fast abstrakt und dennoch so naturnah. Marie-Luise Webers Seerosen sind Schafgabe und Rittersporn. Das eine Mal tief blau-grün, das andere Mal gelb-grün leuchtend. Die Technik, die die Künstlerin meisterhaft beherrscht, ist das Aquarell. Im ersten Farbauftrag, ohne große Möglichkeiten zur Korrektur, entstehen intensiv leuchtende Farben, gepaart mit einer dunklen Tiefe. Die Formen sind fließend, ineinander übergehend und dennoch klar und deutlich herausgearbeitet.
„Für Marie-Luise Weber“, so Holles Bürgermeister Günter Roski bei der Eröffnung, „stand die Kunst immer im Mittelpunkt ihres Lebens.“ Nach einer Ausbildung zur Textildesignerin arbeitete sie später als Kunstlehrerin im Schuldienst und gründete nach ihrer Pensionierung eine Kunstschule in Grasdorf. Holles Bürgermeister freute sich besonders, eine solch engagierte und ambitionierte Künstlerin aus Holle im Glashaus begrüßen zu können.
Die ganze Ausstellung wird von einem bildnerischen Prinzip durchzogen: Der Kontrast und die Verbindung von Vorder- und Hintergrund. Deutlich wird dieses Prinzip in der Serie weiblicher Halbakte. Fünf in sich ruhende, sinnliche Frauengestalten schauen aus diesen Bildern heraus. Die Körper sind Träger intensiver Farben: braun, blau-gelb oder rot-orange. Der Hintergrund nimmt eine der Körperfarben wieder auf und stellt sie mit einer zweiten Farbe, orange, rot oder grün, in Kontrast. Auch der Farbauftrag des grob gespachtelten Hintergrunds steht im spannungsvollen Kontrast zu der zart modulierten Hautstruktur.
Die Ausstellung von Marie-Luise Weber wird ergänzt durch eine Serie von Körperlandschaften, die im Gegensatz zu den Farbwelten der anderen Bilder in monochromen Grau, Braun oder Blau gehalten sind. Auch hier stehen Frauenakte im Mittelpunkt, ästhetisch fein ausgearbeitete Ausschnitte, die Po, Rücken, Brust und Hüften zeigen. Schön und fast zu schön, denn den idealen Körperformen fehlt es an Individualität und Ausdruck.
Das Motto der Ausstellung und des künstlerischen Schaffens von Marie-Luise Weber brachte ihre Freundin und Weggefährtin Frau Grieger abschließend auf den Punkt: „Farbigkeit ist für sie Leben, Farben bedeuten ihr alles!“


