Mehr als ein Symbol

August 2022

Wenn ein Künstler seine Bilder oder seine Ausstellung „Regenbogen“, „Regenbogenfelder“ oder „Tal des Regenbogens“ nennt, dann ist das ein Statement. Ein Statement für Weltoffenheit, Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von sexuellen Ausrichtungen. Es sollte aber kein Statement sein wie die Armbinde, die die Fußballer in Katar tragen wollten, ein öffentliches Lippenbekenntnis, das bei drohender Gefahr gleich wieder zurückgenommen wird.

Zum Glück ist Zaki Al-Maboren kein Fußballspieler, sondern ein malender Künstler. Und als Künstler lässt er sich nicht in eine Kampagne einspannen, sondern er zeigt seine persönliche Sicht auf die Welt, in Auseinandersetzung mit den großen Themen, die uns alle umtreiben. Allerdings ist Zaki ein Teamplayer oder besser ein Netzwerker, der sich mit allem und jedem in Kontakt befindet. Er ist kein Künstler im Elfenbeinturm, er arbeitet im Kunsttempel mitten in Kassel und fühlt sich am wohlsten, wenn er eine interessierte Gruppe über die Documenta führt und viel erzählen kann.

Zaki ist ein Philanthrop, der uns mit viel Farbe und Gefühl den Menschen näherbringt. In seinen Bildern ist alles mit allem verbunden, Menschen, Tiere, Häuser, Pflanzen, Farben und Licht. Seine Bilder erzählen vom unendlichen Reichtum der Natur, die uns umgibt und mit der wir gemeinsam leben. Seine Figuren sind nie vereinzelt, sondern stehen in lebendigen Austausch mit allem, was lebt. Zaki Al-Maborens Bilder baden in einer intensiv harmonischen Farbenpracht und sprechen mit unserem Gefühl mehr als mit unserem Intellekt. Die Begegnung mit Zakis Bilderwelt ist ruhig, angenehm und freundlich, so als lehre uns ein Weiser, die Welt so zu sehen, wie sie sein sollte.

Seine Malerei überwindet alle sozialen und kulturellen Unterschiede und beantwortet die schwierigen Themen der Menschheit mit strahlender Schönheit. Seine Bilder erzählen von Corona, der Flüchtlings- und Umweltkrise und vom Krieg. So wie Bansky mitten im Kriegsgebiet der Ukraine tanzende Frauen und spielende Kinder malt, thematisiert Zaki nicht Grausamkeit und Tod, sondern Licht und Hoffnung. Schon seine bildnerische Auseinandersetzung mit den Anschlägen auf das World Trade Center, das Bild „Septembertraum“ zeigte keine einstürzenden Türme, sondern mit Blumen winkende Menschen, die die friedlichen Flugzeuge über der Skyline begrüßen.

Das Corona-Virus hat uns die letzten 3 Jahre intensiv beschäftig und neben den Ansteckungen ganz viel Unfrieden und Spaltung in die Welt gebracht. Weniger natürlich das Virus als die Menschen, die andere Meinungen nicht aushalten können. Zakis bildnerische Antwort: eine lange Reihe von einzelnen farbigen Frauenköpfen, die den Betrachter anschauen und plakativ aus den großen Metropolen stammen: London, Rom oder Ontario. Menschen aus aller Welt, vereinzelt in Quarantäne, aber dennoch vereint in Schönheit und Gelassenheit.

Und dann die vielen Flüchtlingsbewegungen. Alles Themen, die tagein tagaus die Presse hoch und runter gehen. Was zeigt Zaki in seinem Bild „Der Aufbruch“? Ein Floß mit Menschen voller Würde und Glanz auf tiefblauem Wasser, die genau auf uns zu paddeln. Bunte Fische in der Luft, schillernde Vögel und Farbexplosionen überall. Ein ganz starkes Bild, das an Picassos Guernica erinnert, plakativ und herausfordernd. Hier kommen wir, unübersehbar, ernst und entschieden, lebendig und bereit. Ein Statement für die eine Welt, zu der wir alle gehören.

Auf seinen neuen Bildern geht es ruhiger zu. Zaki verlässt die intensive Vermischung von Menschen und der lebendigen Natur. Zu diesen Bildern gehören die Regenbogenfelder, die sich nahezu auf die horizontale Schichtung von sich durchdringenden Farben beschränken. Eine aus Farben geschichtete Landschaft ist zu erkennen, ein Horizont und Häuser.

Während die plakative Regenbogenfahne ein Symbol aus lila, blau, cyan, grün, gelb, orange und rot darstellt, sind Zakis Regenbogenfarben unendlich viel reicher und diverser. Das ist kein Schubladendenken, in das man die Mitglieder der LBQT-Bewegung einreiht, sondern die Kenntnis einer unendlichen Vielfalt, aus der sich das Leben zusammensetzt und auf etwas Höheres hinweist.

Dieses Höhere thematisiert Zaki in den Bildern, in denen ein Bild in einem Bild schwebt. Die Portraits darauf sind durch eine scharfe Kante vom formlosen Hintergrund getrennt ist. Ein Kontrast und eine Trennung, die sonst nicht in Zakis Malerei zu finden ist. Das Bild „Blick aus dem Fenster“ zeigt eine Frau wie eine Madonna mit geschlossenen Augen, leuchtend wie der heilige Gral vor einem Strom von Farbschichten, die nicht von dieser Welt sind. Auf der einen Seite thematisiert Zaki die Schönheit der diesseitigen Welt, auf der anderen den unerreichbaren Glanz einer übersinnlichen Welt.

Dieser Einbruch des Göttlichen in die Malerei findet sich auch in dem Bild von schönen Häuserfassaden vor einem dunkel schimmernden Meer. Darauf fahren Segelboote, die als strenge einfarbige Dreiecke nicht real sein können und auch mit der kreisrunden Sonne spielt Zaki mit geometrischen, mathematischen Formen, die das Bild auf eine zweite Ebene heben. Oder um es mit Kandinsky zu sagen, hier hält das Geistige Einzug in die Kunst.

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