Entstehung, Veränderung und Vergänglichkeit
Mai 2013
So etwas hat man noch nie gesehen: zart fließende Formen, unendliche Schichten, gefaltete Riesen, verzweigte Säulen, wasserfallähnliche Kaskaden und gepanzerte Oberflächen – alles aus Stein und von der Natur geformt. Die Kraft, die dahinter steht, ist die Erosion und der Mann der diese Meisterwerke der Natur in sinnliche Fotos umsetzt ist der Fotograf Volkhard Hofer aus Klein Himstedt, der im Glashaus die „Kunstwerke der Erosion“ ausstellt.
Es ist die Bewunderung und die Ehrfurcht vor der Natur, die Volkhard Hofer hinaus in die Welt treibt. Er sucht geheimnisvolle und versteckte Plätze auf allen Kontinenten, um die unglaubliche Schönheit der Veränderung auf diesem Planeten zu dokumentieren. Heraklit hatte doch recht, wenn er sagte: „alles fließt“, und dass die Welt im beständigen Werden und Wandel begriffen ist.
Jedem Foto ist die bedingungslose Hingabe des Fotografen an die Wunder der Natur anzusehen. Seit Jahrzehnten, wahrscheinlich schon sein ganzes Leben, ist Volkhard Hofer von der eindringlichen Schönheit der Naturerlebnisse begeistert und lässt sich von ihnen leiten. Sein Blick sucht die Ergebnisse Jahrhunderte und Jahrmillionen Jahre dauernder Veränderungen – kein Wunder, dass bei ihm der Mensch vollkommen aus den Bildern verschwunden ist.
Was bleibt sind Fotos, denen man nicht glauben würde, wenn es nicht Fotos wären. In den Zeiten digitaler Fotografie und Photoshop ist zwar jede Bildmanipulation möglich, aber die Fotos von Volkhard Hofer zeigen die Kreativität der Natur, die kein Künstler und schon gar kein Bildbearbeitungsprogramm so gestalten könnten. Hier sind Kräfte am Werk, die größer sind als der menschliche Verstand und denen sich Volkhard Hofer voller Ehrfurcht und Staunen nähert.
Diese Ehrfurcht bringt die Motivation hervor, das Beste zu geben, um ein würdiges Abbild der Naturwunder zu schaffen. Dafür ist Volkhard Hofer keine Mühe zu schwer. Er reist in die abgelegensten Orte dieser Erde, er schleppt die schwere fotografische Ausrüstung meilenweit durch die Wüste, er wartet tagelang auf das richtige Licht und scheut kein Risiko, um an den richtigen Platz für die Aufnahme zu gelangen. Der Moment des fotografischen Augenblicks ist die Mitte zwischen einer langen, langen Vorbereitung und einer akribischen Nachbereitung, die in einer Ausstellung oder einem großformatigen Buch ihren Abschluss findet.
Die Fotografie ist immer dort am wertvollsten, wo sie Veränderungen dokumentiert, die morgen schon verschwunden sind. So zum Beispiel bei den Säulenpalästen in Kalifornien, die Volkhard Hofer schon in den 90er Jahren entdeckt und fotografiert hat. Heute sind viele der fragilen Monumente zerfallen oder zerstört worden. Andere magische Orte, wie zum Beispiel der Antelope Canyon in Arizona, werden heute vom Massentourismus ihrer Magie beraubt und sind in ihrer erhabenen Einmaligkeit eher in den Fotos von Volkhard Hofer als auf den Eisentreppen der Touristenwege zu bewundern.
Die Fotografie ist die Kunst des Lichts. Das gilt insbesondere für die Naturaufnahmen von Volkhard Hofer, die fast immer von der weichen Modulierung des Lichtes leben. Die unglaublichen Feinheiten und unendlichen Schattierungen seiner Steinlandschaften werden nur unter ganz bestimmten Lichtverhältnissen sichtbar. Schlagschatten mag der Fotograf gar nicht, diffuse Bewölkung schon viel mehr und manchmal muss er auf den Morgen- oder Abendstrahl der Sonne warten, der sein Objekt erst in das richtige Licht rückt. Deshalb sieht man auf Volkhard Hofers Bildern mehr als nur erodierten Stein, man sieht einen ganzen Kosmos voller feinster Verästelungen, Farbenspiele mit tausenden Nuancen und geheimnisvoll leuchtende Strukturen voller Tiefe.
Bei dieser Detailversessenheit gehen oft die Proportionen verloren. Die dargestellten Strukturen könnten winzig klein oder riesen groß sein und verunsichern den Betrachter. Mit dem Wechselspiel der Größenverhältnisse ist Volkhard Hofer einem weiteren Geheimnis des Lebens auf der Spur, denn die größten Zusammenhänge wie das unendliche Weltall gleichen den kleinsten Atomstrukturen aller Stoffe. Das Größte und das Kleinste sind letztendlich eins und dem menschlichen Verstands, der alles verstehen möchte, entrückt. Was bleibt ist das Staunen und genau das erreicht Volkhard Hofer mit seiner Landschaftsfotografie.



