Hans-Georg Wöhle – Facebook

Blühende Pracht

April 2013

Hans-Georg Wöhle ist ein Maler, der weiß, dass es keine Linien gibt. In seinen Bildern lässt er die Flächen sprechen, die gegeneinanderstoßen, ineinander verlaufen, miteinander harmonieren oder sich in die Schranken weisen. In seinen farbenprächtigen Werken beschäftigt sich der Maler aus Seesen mit Blumen und der Landschaft. Bilder voller überquellender Vielfalt, die jetzt im Derneburger Glashaus zu sehen sind.

Die Linie ist eine Illusion, das wusste schon Paul Cézanne, an dessen Vorbild sich auch Hans-Georg Wöhle orientiert. Sein Lehrmeister ist die Natur mit ihren unendlichen Formen und Farben. Hans-Georg Wöhle malt immer wieder Blumensträuße, und keiner ist wie der andere: Wilde Knospen, berstende Blüten, filigrane Gräser, sprießende Blätter und explodierende Sträuße füllen die Bilder. So vielfältig wie die Natur, so vielfältig sind die Abbildungen, die Hans-Georg Wöhle schafft. Manche Bilder kommen ganz expressiv daher, der Pinselstrich ist voller Bewegung, und die Farben stehen in kräftigen Kontrasten. Andere Bilder mit einer homogenen Oberfläche wirken sehr impressionistisch: mehr getupft als gestrichen.

Der „Bauernstrauß“ zum Beispiel leuchtet gold-gelb und scheint sich in der Auflösung zu befinden. Das Wunder der Sträuße liegt in ihrer blühenden Pracht und der unausweichlichen Vergänglichkeit. Beide Komponenten hat Hans-Georg Wöhle in diesem Bild vereint. Das Werden als ein Bilderlebnis, aus dem sich aus vielen Einzelteilen ein herrlicher Strauß formt, das Vergehen als die Auflösung desselben in seine Struktur. Die Oberfläche des Bildes erscheint undurchdringlich, so viele Schichten überlagern und durchdringen sich. In jedem Moment kann die Wahrnehmung wechseln und statt des Straußes erscheint eine von Rost übersäte Metallplatte oder ein unzusammenhängender Flickenteppich aus bizarren Formen und Farben.

Auch die Landschaftsbilder von Hans-Georg Wöhle reichen von ganz freien Farb- und Formenklängen bis hin zu genauen Landschaftsbeschreibungen. Das Bild „Turbulenzen in der Landschaft“ setzt sich aus gelb-weißen und blau-grünen Farbflecken zusammen, der Malgrund ist von Buchstaben durchzogen, und der Betrachter assoziiert Sturm, Wolken und Meer. Was fehlt, um das Bild eindeutig zu einem Landschaftsbild zu machen, ist der Horizont, die Orientierung im Raum durch das Aneinanderstoßen von Himmel und Erde. Die „Stadtlandschaft“ hat diese Horizontlinie, auf der sich rote Häuserdächer abzeichnen. Davor erblüht querschießendes wildes Gestrüpp, das sich aus schnell gemalten Farbflächen zusammensetzt.

Das Bild „Gardasee von Riva aus“ zeigt dann eine klar gegliederte Landschaft mit Häusern, See, Bäumen und Bergen. Viele solcher gemalten idyllischen Landschaften wirken schnell langweilig, weil sie nicht mehr tun, als abzubilden. Nicht so bei Hans-Georg Wöhle. Bei ihm gibt es immer auch ein malerisches Eigenleben, das sich mehr oder weniger weit von seinem Abbild trennt. In diesem Bild ist das in der malerischen Wildheit der Dächer und Zypressen wiederzufinden.

Hans-Georg Wöhle hat sein Thema gefunden: Die Natur, der er sich mit genauer Beobachtung und künstlerischer Freiheit nähert. Denn ein Bild ist immer zuerst ein Bild und keine Wiederholung der gesehenen Wirklichkeit.