Göttliche Erotik

Juli 2013

Seit ihrem Auftritt in einer Moskauer Kirche und ihrer Verhaftung sind die Pussy Riots ein Symbol des feministischen Widerstands gegen die Staatsmacht. Ihr „Punk-Gebet“ gegen die Allianz von Kirche und Staat fand zahlreiche Unterstützer in der ganzen Welt und ist nun auch bis in das Derneburger Glashaus vorgedrungen. Der Maler Hans-Jürgen Schmejkal aus Holle zeigt das Bild „Pussy Rights“ in seiner neuen Ausstellung im Derneburger Glashaus.

Sein Gemälde ist eine Hommage an die Kraft des Weiblichen und zeigt drei Maskengesichter, sechs Arme, sechs Beine und einen nackten weiblichen Körper: drei wilde Harlekinen, im Tanz vereint. Komponiert ist das Bild als die Quadratur des Kreises von Leonardo Da Vincis vitruvianischen Menschen. Der Maßstab ist jetzt aber die Frau und ihr nackter Protest, wie er sich auch in den Aktionen der Bewegung „Femen“ widerspiegelt. All diese Strömungen fließen in das Bild mit ein, das auch an die vielarmige indische Göttin Kali erinnert. Über den Frauen schwebt eine schwarze Maske mit roten Augen. Wer ist das? Der Rächer Putin, das Gesicht gewordene Spionageprogramm Prism oder eine Macht, die über alles wacht und lacht? „Pussy Rights“ ist ein Bild voller Aktualität und Frauenpower, wie immer seltsam bei Hans-Jürgen Schmejkal: von einem Mann gemalt.

Ein Thema in der Malerei von Hans-Jürgen Schmejkal ist die Darstellung von Musik. In der Mitte einer Serie aus drei Bildern steht eine Geigerin mit nacktem Oberkörper, breitbeinig und mit festem Stand. Die Musik sind die Farben im Hintergrund, eine explodierende Landschaft aus dunklen roten, gelben, grünen und blauen Tönen. Die Musikerin wird von den Farben und Tönen ganz durchdrungen, die Musik kommt nicht aus ihr heraus sondern zieht durch sie hindurch. Sie spielt nichts vor, sondern lässt geschehen, eine künstlerische Haltung, die auch dem Urheber des Bildes eigen ist. Rechts und links neben ihr zwei Bilder voller Wald. Der eine mit großen Pinselstrichen gemalt, ruhig, still, im Teich gespiegelt und lichtdurchflutet. Ein wahrhaft großer Moment, in dem die Zeit still steht und das Alltägliche wie eine göttliche Erscheinung auftaucht. Ein Moment, der sich aus dem intensiven Erleben von Musik entwickelt hat. Auf der anderen Seite steht auch ein Wald, dunkel mit kleinen Häusern, durch den der Sturm jagt. Ein Knall geht durch dieses Bild, oder ein Ton, der die gewohnte Ordnung zum Einsturz bringt und die Bäume und Häuser einfach umfegt. Auch das kann Musik bewirken.

Ein anderes Thema in der Malerei von Hans-Jürgen Schmejkal ist die Darstellung von Buddha. Gerne malt er auch Buddhinen: weibliche, in sich ruhende göttliche Schönheiten. In einem Triptychon von drei großformatigen Gemälden ist ein männlicher Buddha von zwei nackten roten Frauen umrahmt. Die vergebliche Versuchung Siddhartas durch den Gott Mara, ihn mit den Freuden des Lebens abzulenken? Nein, denn dann gäbe es einen bildlichen Kontrast zwischen dem in sich ruhenden Erleuchteten und den Verlockungen des Weibes. Die wunderschön gemalten Bilder von Hans-Jürgen Schmejkal durchzieht der gleiche Geist von Heiterkeit und Gelassenheit. So steht der bewegt gemalte Buddha in der Mitte in enger Verbindung mit den verführerischen Frauen. Er ist die Energiequelle, er akzeptiert und lässt gewähren, er genießt und nimmt teil. Seit wann, so fragt sich der erfreute Betrachter, ist denn Erotik nicht auch göttlich?

Cookie Consent mit Real Cookie Banner