Ein zweites Mal gibt es nicht
Juni 2013
Strand, Meer, Bootssteg, badende Kinder, Gummiboot und immer wieder die schillernde Oberfläche des Wassers. Elke Fech aus Hildesheim zeigt im Derneburger Glashaus große fotorealistische Gemälde, die irritieren, obwohl alles so bekannt vorkommt.
Die Bilderwelt aus der Elke Fech schöpft, ist die Urlaubsfotografie. Fotos wie wir sie von unseren badenden Kindern schon alle gemacht haben, Fotos die zu tausenden in den Fotoalben im Bücherregal stehen. Es geht Elke Fech in ihren Bildern aber um weit mehr als ein reines Abmalen des fotografischen Vorbildes. Die Malerin überhöht die fotografische Wirklichkeit, indem sie das 9 x 13 Format in riesige Bilder verwandelt und mit der Wahrnehmung spielt. Das ganz und gar Vertraute wird auf ihren Bildern mit subtilen Mitteln verfremdet, löst sich vom Geschehen ab und bleibt als verwirrendes Bild im Betrachter hängen.
Was ist wirklich? Elke Fech verwandelt mit ihrer Malerei die erlebte Realität in eine Künstlichkeit, die sich wie eine zweite Schicht über die Erinnerung legt. Sie kopiert malerisch Fotos bis in das kleinste Detail und schafft dabei ihre ganz eigene Welt. Die Farbigkeit ist wie auf leicht vergilbten Fotos etwas verschoben, die hellen Stellen sind bis ins reine Weiß überstrahlt, der Ausschnitt ist radikal beschnitten und der Betrachter als der, der die Kamera gehalten hat, ist unsichtbar immer im Bild anwesend. Wie in der Fotografie werden die Szenen oft wiederholt, die gleiche Ansicht wird aus einer leicht veränderten Perspektive noch einmal gezeigt und ein Bild wird sogar mit geändertem Inhalt fast identisch kopiert.
Da malt die Künstlerin eine Szene mit einer Mutter auf einer bunten Decke mit ihren zwei Kindern am Meer. Ein kurzer Moment mit eigentümlich festgefrorenen Bewegungen der essenden Kinder und einem unscharfen Horizont. Dann malt sie das gleiche Bild noch einmal und jetzt fehlen die Kinder. Wie wegradiert und weggehext. Die Mutter sitzt allein auf ihrer Decke und verharrt in genau derselben Position wie vorher. Alles scheint gleich, ob die Kinder nun da sind oder nicht. Diese Gleichgültigkeit ist fast schon grausam und dann kommt noch ein sehr verwirrender Aspekt hinzu. Die Fotografie kann jedes Bild exakt kopieren, die Malerei nicht. Ein zweites Mal gibt es nicht, denn wenn sich die Bilder im Detail auch zu gleichen scheinen, sind sie doch unterschiedlich. Wie in dem Spiel „Original und Fälschung“ gibt es tausende von kleinen Unterschieden zu entdecken.
Was bleibt, ist das Gefühl, das nichts so ist, wie es scheint. Unter der bekannten Oberfläche der Wahrnehmung schlummern unbekannte Welten, die wir lieber ignorieren, weil sie uns viel zu sehr verunsichern. Sicher ist sicher, aber bei Elke Fech ist nichts sicher. Sie stellt auch in anderen Bildern unsere Sehgewohnheiten und Erwartungen in Frage und malt Frauen als Päpste und kopiert neue weibliche Hauptdarstellerinnen in alte Malerei.
In der Malerei von Elke Fech herrscht keine Idylle des Schönen und Angenehmen. Elke Fech fordert die Wahrnehmung des Betrachters heraus und will ihn verunsichern. Selbst das Bild auf dem vier Kinder aus dem schilfbedeckten See auftauchen, versprüht den Charme von leichter Gefahr. Sind es unschuldige Kinder die spielen oder Nixen aus einer anderen Welt, die gleich wieder verschwunden sind? Diese Zweideutigkeit durchzieht alle Bilder der Ausstellung und macht sie zu einem sehr eindringlichen Erlebnis der Wahrnehmung.




