Natürlich Grafik und wunderbare Abstraktion
Mai 2009
Eisberge erscheinen als Wolken, Wasserläufe gleichen geschwungenen Frauenhaaren, Flüsse erinnern an das Geflecht von Adern. Wenn die Welt so aussieht, hat Volkhard Hofer aus Klein Himstedt sie fotografiert. Seine Ausstellung „Das archaische Element – Wasser in seinen Urformen“ ist im Mai im Glashaus zu sehen.
Die Fotografien von Volkhard Hofer haben ein Thema: Wasser. Wasser im Fluss, erstarrtes Wasser als Eis, spiegelndes Wasser als Licht, fallendes Wasser als Schleier und Wasser als abstraktes Spiel der Formen und Farben. Volkhard Hofer reist um die ganze Welt, steigt in kleine Boote, schwingt sich hoch in die Lüfte, klettert in Höhlen oder harrt stundenlang in einem kleinen Bach aus, um seine Sicht der Dinge auf ein Bild zu bannen.
Als ehemaliger Professor für Fotografie ist sein künstlerischer Anspruch hoch. Volkhard Hofer ist ein akribischer Ästhet, ein Fanatiker von Naturschönheiten, dem kein Weg zu weit und keine Anstrengung zu schwer ist, um die vollkommene Fotografie zu erschaffen. Seine Bilder bewegen sich auf einem überragenden technischen und ästhetischem Niveau, dennoch vermitteln sie vor allem eins: das atemberaubende Staunen über die wunderschöne Vielfalt der Natur.
Wer staunt, der weiß nicht und wundert sich. Kinder staunen und Erwachsene erklären. Doch wer erklärt, staunt nicht mehr, sondern sucht einen vernünftigen Grund für ein Gefühl der Ratlosigkeit. Die Frage nach der Technik sei erlaubt: Der Fotograf arbeitet mit einer analogen Mittelformatkamera, längere Belichtungszeiten verwandeln Wasser und Licht zu abstrakten Formen, er vermeidet Horizonte, schaut senkrecht von oben auf die Erde und sucht das flache Licht der frühen Morgenstunde. Die Technik ist die eine Seite, das Bildergebnis die andere. Hier stehen wir vor dem großen Rätsel der Natur, das um vieles größer ist als unser eigener Horizont. An der Stelle von Erklärung steht andachtsvolle Stille und eine tiefe Freude über so viel wundersame Schönheit.
Ein Gletscherfluss fließt wie ein feingliedriges Adergeflecht durch tiefblaue Dunkelheit. Die Eisberge erscheinen wie vollkommene Skulpturen in unzähligen schillernden Blautönen. Eine Welle bricht sich im Gegenlicht wie funkelnde Diamanten. Volkhard Hofer malt seine Fotografien mit Licht und Bewegung. Bei ihm werden die Lichtspiegelungen auf dem Wasser zu abstrakten Zeichnungen und die Wasserströmungen zu weichen Frauenhaaren.
Ursprünglich kommt Volkhard Hofer von der abstrakten, experimentellen Fotografie. Versuche mit Licht, Chemie und dem Fotofilm verschafften ihm den Zugang zu noch nie gesehenen Bilderwelten. Heute gilt der gleiche Blick der Natur. Es ist wie der Blick in den Mikro- und den Makrokosmos. Kleinste und größte Strukturen sind verblüffend gleich, wie zum Beispiel die Moleküle und die Planeten. Volkhard Hofers Blick ins experimentell Abstrakte findet sich wieder im natürlich Konkreten. Aus großer Höhe aufgenommene Oberflächen der Welt, Flüsse, Gletscher oder Vegetation verlieren ihre bekannte Bedeutung und verwandeln sich auf seinen Bildern zu Farborgien und Strukturwundern. Für ihn ist die Welt eine natürliche Grafik und eine wunderbare Abstraktion.




