Tmema – aus zwei wird eins

April 2007

Irene und Heinrich Schlierkamp sind ein Künstlerpaar. Das heißt, beide malen, beide stehen in ihrem Atelier und beide stellen hier im Glashaus aus. Doch wenn Sie suchen, welches Bild von wem gemalt wurde, dann stoßen Sie auf Hindernisse. Unter allen Bildern steht „Tmema“, ein geheimnisvoller und wohlklingender Name, der besagt, das Irene und Heinrich Schlierkamp „Tmema“ sind, ein Künstlerpaar, das gemeinsam Bilder malt. Nicht er links und sie rechts, oder er oben und sie unten oder er Hinter- und sie Vordergrund. Die Bilder sind eine Einheit, die nicht die Handschrift zweier erkennen lässt. Eine ideale Verschmelzung also, eine Bild- und Lebensharmonie, die hier ausgestellt wird?

„Bis zum fertigen Bild gibt es viele Auseinandersetzungen“, sagen beide Künstler. Da wird übermalt, zerstört und wieder von vorne angefangen. Da mischt sich jeder in die Angelegenheiten des anderen und zunächst nicht immer zur Freude des einen. Doch am Ende eines längeren Prozesses ist ein gemeinsames Bild fertig, das dem künstlerischen Anspruch beider gerecht wird. Und dann geht es nicht mehr darum, was von wem ist. Auf Nachfragen bekommt man aber doch eine Antwort. Heinrich Schlierkamp ist mehr für die Farbe, Irene Schlierkamp mehr für die Form zuständig. Diese Aufteilung verwischt aber, wenn man sich die fertigen Bilder betrachtet.

Ein Selbstbildnis des Künstlerpaares hängt im Café: Zwei Köpfe in einfacher Linienführung, der eine dunkelrot, der andere hell-lila, der eine mit offenen, der andere mit geschlossenen Augen. Beide Köpfe sind nach oben offen und es quillt Musik in Form von Farbe und Noten heraus, fließt hinüber in das nächste Bild, wo ein Haus in einem bunten Garten mit Vogelkopf steht. Die Bilder von Tmema besitzen eine große Affinität zur Musik, die Farben gleichen Tönen und die Formen sind so dicht gewebt wie eine Komposition. Ein Bild im Atelier zeigt 4 Musiker, 4 farbige Figuren in fließendem rot, weiß, gelb und blau – dicht gedrängt nebeneinander, dem Betrachter zugewandt, verträumt und verzückt. Vor ihnen die schwarze Kontur einer Gitarre, die das ganze Bild bedeckt. Die Farben der Körper laufen durch die Gitarre, eine rote Hand spielt die Seiten, eine andere, blaue Hand greift die Akkorde. Die Menschen sind von der Musik durchdrungen, sie bilden mit ihr und zusammen als Spielende und Hörende eine Einheit.

Viele der Bilder von Tmema zeigten diese Verbundenheit von allem mit allem. Ihre Bilder sind wie ein Teppich, dicht ineinander verwebt, Vorder- und Hintergrund miteinander verschmolzen, positive und negative Formen gleichwertig hervorgehoben. Durch diese Einheit lassen sie sich auch als abstrakte Bilder betrachten, die nur durch Form und Farbe wirken, wie z.B. das Mosaik im Café aus Köpfen, Fischen und Körpern, das wie auf Wolken dahergeschwebt kommt. Alles ist Miteinander, alles gehört zusammen in einem nie enden wollenden Spiel.

Auch Dualitäten verbindet Tmema zu einer Einheit. Ein Bild zeigt in 3 Rahmen eine Kette von rot-gelben Gestalten in Gewändern, die sich an den Schultern halten. Die Figuren sind fast abstrakt, ohne Gesichter, nur Form, im Tanz oder Gebet vereint, nahezu heilig entrückt. Zwischen den Gestalten ergeben sich immer die gleichen negativen Zwischenräume. Aus ihnen quellen schwarze Gestalten hervor, auch sich gegenseitig haltend, dunkel, undeutlicher und schemenhafter. Hier ist der Unterschied von hell und dunkel, von gut und böse, von Himmel und Hölle kein Gegensatz, sondern eine dialektische Einheit. Es gibt kein Licht ohne Schatten, kein Tag ohne Nacht und keine Frau ohne Mann. Und damit auch kein Gegensatz zwischen Heinrich und Irene Schlierkamp, was sie in allen ihren Bildern immer wieder von vorne beweisen.

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