Wie ein Blatt durch die Unendlichkeit
Oktober 2006
Der Ausgangspunkt für die künstlerische Arbeit von Annette Lishke ist die Natur. Sie liebt die Formen und Farben der Natur und ganz besonders liebt sie Blätter. Sie nimmt die Blätter als Vorwand, um auf der Leinwand zu gestalten, zu erfinden, zu träumen und zu spielen. Sie malt in Herbsttönen, Frühlingsfarben und Winterstimmungen und bewegt sich dabei immer auf der Grenzlinie zur Abstraktion. Sie vereinfacht die Formenvielfalt der Natur und sucht in ihren Bildern nach einer perfekten Harmonie. Ihre Bilder sind flächig, in sich geschlossen und voller Stimmungen.
Die Blätter auf ihren Bildern formen sich zu neuen Bildaussagen. Da gibt einen „Feuerbusch“ mit sich durchdringenden roten und gelben Blättern vor einem rot-gelben Hintergrund oder den „tanzenden Schamanen“, eine wirbelnde Gestalt aus rot-braunen Blätterformen. Eine richtige Modekollektion zeigt eine Serie von 5 Bildern, auf denen jedes Mal das gleiche Schnittmuster eines Kleides von Blattformen durchdrungen wird. Die Form des Kleides bildet keine Grenze nach außen, innen und außen sind harmonisch miteinander verbunden. Die Kleider sind mal fröhlich, mal traurig und dann wieder ganz verspielt.
Eine Winterstimmung vermitteln die „4 Szenen aus dem Vogelmärchen“. Hier verwandeln sich die Blattformen zu Vögeln mit Schnabel, Auge und Gefieder. Die vorherrschenden Farben sind blau und weiß, die Stimmung ist leicht, luftig, schwebend und hell. Der Frühling spiegelt sich in vier hellgrünen Bildern wieder, die in ihren Formen an Blumen, Berge, Pflanzen oder Blüten erinnern.
Annette Lishke ist eine zurückhaltende Malerin, was sich auch in ihrem Bild „Begegnung“ widerspiegelt. Die Begegnung ist keine Konfrontation, sondern viel mehr eine Verschmelzung. Blau-Graue Blätter lösen sich in ihren Konturen fast auf und verbinden sich mit einem blau strukturierten Hintergrund. Der Mensch ist nach Annette Lishke Natur und sollte sich nicht über sie erheben. Schließlich enden wir zwar nicht alle als Blätter, aber zumindest wird unser Körper wieder zu Erde und vielleicht segeln unsere Seelen dann wie Blätter durch die Unendlichkeit.



