Baumfeld und mehr
März 2015
Er wusste es erst, als er die Einladung zu seiner eigenen Ausstellung im Briefkasten vorfand. Kurt Baumfeld, Vorsitzender des BBK Hildesheim, der zu seinem Geburtstag von seinen Kollegen überrascht wurde. Mit einer Gemeinschaftsausstellung im Derneburger Glashaus, die ihn zusammen mit Paul Wilde, Elke Lennartz, Susanne Eisermann, Gabriele Klimek, Elfi Dollichon und Marc Bertram zeigt.
Zwischen den verschiedenen Arbeiten sind die Bilder von Kurt Baumfeld unschwer zu erkennen: Leichter Strich, lockere Linie, verspielte Formen. Das ist ein Baumfeld. Bilder wie Paul Klee, der wieder zum Kind werden wollte. Kurt Baumfeld, der nicht hinschaut, wenn er malt, der sich seinem Gefühl und seinem Körper überlässt, der die freie Fläche liebt, das Licht und den Zufall. Ein Mann und ein Busch treffen sich voller Leichtigkeit und Verbundenheit, zwei Männer, ganz frei und entspannt, sitzen unter einem Baum, ins Spiel vertieft. Strichzeichnung ohne Kontrolle und voller Lebendigkeit. Momentaufnahmen von Menschen in einem kurzen Augenblick.
Paul Wilde mag es dagegen deftiger. Er übermalt die gewohnte Ordnung, zeigt rohe Köpfe mit einfachen Formen auf filigranen Notenblättern. Ein derber Kontrast mit Protest: „Till kriegt eins auf die Fresse“ und aus einem mit schnellen Strichen übermalten Mund fliegen rote Farbstreifen. Seine Bilder sind einfach und rau und Gewalt fließt durch das Bild.
Elke Lennartz verlässt die Wand und kommt in den Raum. Ihre Bilder nehmen Form an und werden zum Objekt. Das Ding ohne gegenständliche Bedeutung ist zerschnitten, verbogen, zerknautscht und gewellt. Die Objekte lösen sich sogar von der Wand und fliegen in den Raum: Abstrakte Schmetterlinge voller Fröhlichkeit. Der Eindruck von Schwere löst sich auf in Leichtigkeit.
Das Kuriositätenkabinett von Susanne Eisermann zeigt acht bunte Gesichter auf schwärzester Fläche. Die Gesichtszüge sind grotesk übersteigert: Haare wie ein grün überkochender Kessel, Augenbrauen wie die Schnurrhaare einer Katze, Zähne wie Haifischflossen und Gesichter wie Kürbisse. Ihre Gestalten sind aus einem geheimen Versteck ins Scheinwerferlicht gestellt, wie seltene Tiefseefische unter dem Mikroskop.
Gabriele Klimek ehrt Michelangelo mit einem Entwurf für eine übergroße Wandmalerei. Zwei aufeinander gedeutete Finger aus der Erschaffung Adams erzeugen Magie. In der leeren Mitte der Finger befindet sich eine verschlossene Doppeltür, die extrem fokussiert. Keiner kann sich entziehen und wer durch dieses Tor nicht geht, hat‘s nicht kapiert.
Elfi Dollichon spachtelt Farbe auf die Leinwand und erschafft Abstraktion in Perfektion. Edle Farbkomposition aus Türkis, Blau, Weiß und Ocker ohne Erinnerung an Gegenstände oder Landschaften. Bilder als sakrale Objekte, vielschichtig und lange, lange bearbeitet.
Und zum Schluss eine Installation von Marc Bertram, der seine schweren Arbeiten aus Stein mit den leichten Aquarellen von Kurt Baumfeld verbindet. Die freien Stadtlandschaften von Kurt Baumfeld formen sich mehr aus Wolken als aus Beton. Die ineinander verschachtelten Steinplatten von Marc Bertram steigen aus der Tiefe empor, sind bemalt und mit Gitter eingefasst. Verspieltheit und ästhetische Strenge halten sich die Waage. An der Spitze steht ein Bild aus Stein. Eine verschlissene Trennscheibe, umrahmt von metallenen Federn, macht auf Sony-Center. Zwei Gegensätze haben sich gefunden.



