Stefan Schwerdtfeger

Konkrete Ansicht und abstraktes Abbild

1999

Die Ausstellung „Wettermeldungen“ von Stefan Schwerdtfeger im Derneburger Glashaus erinnert an einen langen Spaziergang am Meer. Der Blick geht weit, der Himmel hängt hoch und die Landschaft ist flach. Ein befreiendes Gefühl von Weite durchströmt den Spaziergänger, die Gedanken werden klar und die Luft ist sauber. Auch wenn die Bilder von Stefan Schwerdtfeger nur eine Große von 21 cm x 31 cm besitzen, die Gefühle die sie auslösen sind unbegrenzt.

Tatsächlich ist die Bildserie „Wettermeldungen“ in Skagen im nördlichsten Dänemark entstanden, wo Stefan Schwerdtfeger ein Atelier besitzt. Es lässt sich unschwer erkennen, dass er sich in seinem Bilderzyklus „Wettermeldungen“ von der Weite und Struktur der Seelandschaft inspirieren ließ. Es gibt viele Bilder von der kargen Schönheit der Nord-Küste, doch selten kommen sie so abstrakt-gefühlvoll daher wie in dieser Ausstellung.  Die Bilder sind aus Materialien entstanden, wie man sie bei einem Spaziergang am Meer findet: Federn, Sand, Stoff, Holz und Metallplatten. Diese Fundstücke hat Stefan Schwerdtfeger in seine Bilder harmonisch eingebaut, so dass sie zu kleinen Schatzstücken werden. Eine genagelte Kupferplatte schimmert geheimnisvoll, eine andere glänzt wie Gold. Eine verwitterte Eisenplatte besitzt eine unendlich feine Struktur und die im Sand verborgenen Federn klingen nach Sturm.

Die Bilder von Stefan Schwerdtfeger spielen mit dem Wechsel von konkreter Ansicht und abstraktem Abbild. Schnell wird eine horizontale Trennung zum Horizont: unten graues Land, darüber eine kleine Schicht blau-grünes Meer und dann ein grauer Himmel mit einer blass-roten Sonne. Oder ein blauer Blitz durchzieht das Bild vom Himmel bis zur Erde. Abstrakt wird ein Bild dadurch, dass man nicht erkennt, was es darstellt. Doch geht man gesenkten Blickes über den Strand, dann ergeben die Formen und Farben von Sand und Meer ein unendliches Spiel und ein Bilderreichtum, der sich in den Arbeiten „Wettermeldungen“ wiederholt. Die Arbeiten von Stefan Schwerdtfeger besitzen Tiefe und Geheimnis, weil sie nichts preisgeben – aber auch nichts verbergen. Sie leben von der Strenge der Form, der Lebendigkeit der Struktur und der Wärme der Farbe. Trotz ihrer geringen Größe vermitteln sie die Weite der Landschaft. Die verwitterten Strukturen lassen die Schönheit der Vergänglichkeit aufleben und die vielen Schichten und Durchbrüche erzählen von der Vielschichtigkeit der Welt.

Die Ausstellung „Wettermeldungen“ ist streng komponiert. 31 gleichformatige Bilder hängen wie Objekte in einer Reihe an der Wand. Ein dicker Rahmen, ein silberner Metallrand und die erhabene Oberfläche verstärken den 3-dimensionalen Charakter der Arbeiten. In der engen Beschränkung auf Format und Thema liegt der Reiz dieser Ausstellung. Aus der Künstlichkeit der Bildkomposition und der Natürlichkeit der Materialien entsteht eine Spannung, die die Kunstwelt mit der Natur verbindet. Stefan Schwerdtfeger spricht eine hoch entwickelte Bildsprache, die zum Entdecken und Fühlen einlädt.

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