Schmerzende Körperlichkeit
Oktober 2015
Die Nacktheit in der Fotografie ist ein beliebtes Thema. Fotos von schönen nackten Frauenkörpern sind überall vertreten, sowohl in Zeitschriften als auch im Internet. Wenn nun im Glashaus 26 Schwarz-Weiß Fotografien von ein und demselben Frauenkörper zu sehen sind, dann haben diese Fotos damit gar nichts zu tun, denn sie irritieren, verstören und provozieren.
Der Körper auf den Fotos ist der von Simone Zewnik, die ausschließlich sich selbst darstellt. Ihre Fotos gehören zur inszenierten Fotografie, die Bilder aus der eigenen Vorstellung erschafft und umsetzt. Simone Zewnik fotografiert Simone Zewnik, eine aufwändige Inszenierung für die Kamera und den Betrachter, bei der das Modell mit dem Auslöser in der Hand seine Fantasien, Ängste und Träume preisgibt.
Die Fotos von Simone Zewnik sind ein eigener Kosmos mit Szenen, die man so noch nicht sah oder sehen möchte: Ein im Wald stehender Glaskasten mit eingesperrtem Körper, Nacktheit auf Krücken, moosbepflanzte Körper auf Baumstämmen, in den Mund gesteckte Staubsauger, gequälte Haltungen, am Ast hängende Nackte und vom Erdreich aufgefressener Körper. Um nur einige Beispiele einer überbordenden Bilderwelt zu nennen.
Die Fotos von Simone Zewnik sind schonungslos und schamlos. Ohne Schranke im Kopf wagt sich die Fotografin in Abgründe und Unsicherheiten. Sie schont weder sich, wenn sie sich selbst in grotesken Szenen bloßstellt, noch schont sie den Betrachter, der Schönheit erwartet und schmerzende Körperlichkeit bekommt. Die Frau auf den Fotos von Simone Zewnik ist aus allen Konventionen ausgebrochen. Sie ist mit sich allein und liefert sich aus. Sie stellt ihre Verletztheit mit Offenheit zur Schau und verbindet sich mit Mächten, die erschrecken und dunkle Geheimnisse verbergen. Diese Welt, in der Simone Zewnik verkehrt, erscheint sowohl gänzlich künstlich als auch verzaubert archaisch.
Wieso erschrecken die Bilder von Simone Zewnik? Kurz gesagt, sie erschrecken, weil sie Fotos sind.
Simone Zewnik inszeniert für das Foto eine reale Situation: sie hängt nackt im Baum oder liegt wie tot in einem Bach. Was wir hier sehen, ist also wirklich passiert und macht es dem Betrachter schwer, sich davon zu distanzieren. Intellektuelle oder künstlerische Distanz sind den Arbeiten von Simone Zewnik fern. Sie konfrontiert uns direkt mit ihrer Welt und zeigt ein ganzes Universum, das sich hinter jeder Oberfläche verbirgt.



