Kunstrichtung: Depressionismus
August 2011
Hayo Henke aus Hildesheim zeichnet seit 1967 mit schwarzem Humor und zeigt im Glashaus seine vielfältigen, kleinformatigen und hintergründigen Karikaturen. Sein Thema: das ganz normale menschliche Leben mit all seinen bösen Facetten. Karikatur ist wenn man trotzdem lacht? Nicht so bei Hyo Henke, bei dem einem das Lachen oft im Halse stecken bleibt.
Der Hildesheimer Zeichner lässt mit spitzer Feder und viel Sprachwitz kaum ein Thema unberührt. Da tritt Gott auf, der keine Verbindung mehr zu den Menschen hat und wie ein Kranker Stimmen hört, die eigentlich Gebete sind. Die Kirche ist ein einziger großer Beschiss, bei dem es um Geld, Sex und Verbrechen geht. Allerlei tierische Gestalten treten auf und sind ein Spiegel der Unvollkommenheit des Menschen. In der Paarbeziehung gibt es kein Gemeinsam: auf einer einsamen Insel rudert sie im Boot vorwärts und er zurück.
Eine Zeichnung zeigt sinnbildlich die verzweifelte Lage der Menschen aus Hayo Henkes Sicht. Alle sind Marionetten, hängen an langen Fäden ohne Ende und wenn sich jemand losgerissen hat, gibt es auch keine Lösung. Das Fernsehen ist realer als die wirkliche Welt, die Politik ist schlimmer als ein Albtraum und beim Psychiater gibt es keine Heilung und der Mensch bleibt sich selbst ausgesetzt.
Keine Frage, Hayo Henke pflegt die pessimistische Weltsicht. Eine Zeichnung könnte sein Selbstbildnis sein: Ein diabolisch wirkender schwarzer Mann malt mit einem Eimer voller schwarzer Farbe ein schwarzes Bild. Die Kunstrichtung: Depressionismus.
Doch bei aller Liebe zur Schwarzseherei ist es doch sehr auffällig, wie bunt und facettenreich die Bilderwelt von Hayo Henke erscheint. In bunten Rahmen hängen bunt kolierte Zeichnungen, die zeigen, dass bei aller Unvollkommenheit, in der der Mensch steckt, die ironische, selbstkritische und bisweilen sarkastische Betrachtung des Übels einen Ausweg bietet.
Selbsterkenntnis muss ja nicht immer fröhlich sein.



