Die Ursuppe, aus der die Welt entstanden ist

Juli 2015

Was ist das Nichts? Nichts? Wenn das Nichts nicht wäre, dann gäbe es diese Ausstellung gar nicht. Denn das Nichts, dem der Maler Hans-Jürgen Schmejkal aus Derneburg eine Ausstellung widmet, hängt im Juli und August an den Wänden des Glashauses und man kann es anfassen, sehen und fühlen.

Das Nichts in den Bildern ist zunächst die Abwesenheit von Gegenständen. Immer, wenn im Malprozess ein Gegenstand auftauchte, wurde er auf diesen Bildern wieder übermalt. So lange, bis alles Gewohnte und Erkennbare verschwunden ist. Damit sind die Gemälde aber nicht formal abstrakt, sondern haben die Übermalung, Zerstörung und Auflösung zum Thema. Sie provozieren die Unmöglichkeit, sich an Sehgewohnheiten festzuhalten und bekannte Erklärungen zu ihrer Deutung heranzuziehen.

Die zentralen Werke in dieser Ausstellung sind 3 Bilder mit dem Titel „Nicht-Dinge“. Schnell gemalte Farbflächen, gegeneinander abgegrenzt, ohne Perspektive in frischen blauen und roten Farben mit weißen, lila und orangenen Flecken und schwarzen Tiefen. Das Auge findet keinen Halt, es wandert über die Fläche und bleibt nirgendwo hängen. Die Bilder wirken fremd und selbstbewusst, kraftvoll und lebendig. Hier blubbert der Kosmos, hier herrscht das Gesetz des ewigen Werdens und Vergehens. Die Gemälde von Hans-Jürgen Schmejkal gleichen der Ursuppe, aus der die Welt entstanden ist.

Waren in der letzten Ausstellung noch ganze Blumensträuße zu sehen, so werden sie jetzt von einem gewaltigen Strom fortgerissen. Wie ein Fluss von Farben strömt das Bild „still leben“ dahin, ein Getümmel von Gegenständen, die einmal was gewesen sind. Ein Tsunami ist durch das Bild gefegt und hat alles aufgelöst und neu geordnet. Auf dem Bild „auflösen“ breitet sich das Nichts aus der Unendlichen Geschichte aus. Ein gespachteltes Mosaik des Durcheinanders spielt mit hellen Farben und der Abwesenheit von Rot. Ein Chaos mit System, das alles bis auf eine helle leere Fläche zu verschlingen scheint.

Ganz ruhig kommt dagegen das Gemälde „Nicht Gegenstand“ daher. Eine Art goldene Cumulus-Wolke am rosafarbenen Himmel oder sich auftürmende chinesische Schriftzeichen, feierlich, ehrfurchtsvoll und fremd. Eine Eruption wie ein Vulkan zeigt das Bild „grüner Nicht Punkt“, auf dem ein losgelöster grüner Punkt vor zerstörenden und formlosen Flächen zu schweben scheint.

Bei so viel Nichts braucht sowohl der Betrachter als auch der Maler ab und zu einen festen Standpunkt, von dem aus er das Nichts betrachten kann. Dieser unantastbare Punkt ist wie immer der Buddha, ein Bild von einem Bild auf ein rotes Tuch gebettet. Eine aus vielen Farbschichten zusammengestellte rote Buddha Figur schwebt vor einem gelben Hintergrund, still lächelnd und frei.

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