Wenn Nichts nicht ist, ist Nichts alles

Juni 2018

Der Ausstellungstitel „Der Zeuge von Nichts“ ist ein Widerspruch. Wenn nichts ist, wieso braucht es dann einen Zeugen? Was bezeugt einer, wenn er dem Nichts begegnet? Was das Nichts ist, zeigt Hans-Jürgen Schmejkal in seiner neuen Ausstellung im Glashaus. Und nach einem Rundgang durch die überbordende Bilderwelt des Derneburger Künstlers wird schnell klar: Nichts ist nicht nichts! Was so viel heißt: Nichts ist alles!

Ein bisschen Hirnakrobatik darf schon sein, wenn man sich mit der Bilder- und Gedankenwelt von Hans-Jürgen Schmejkal beschäftigt. Er schmückt seine Bilder gerne mit Titeln wie „Strahlende Finsternis“ oder „Klang der Stille“, die zwei eigentlich unvereinbare Pole miteinander verbinden. Die japanische Tradition nennt das einen Koan, etwas, dessen Sinn sich nur intuitiv und ohne Worte erschließt. Wenn das Nichts also alles ist, dann gibt es z.B. keine Trennung zwischen dem, was nicht sein darf und dem, was sein soll. Der Zeuge ist dann der, der allem mit der gleichen akzeptierenden Haltung gegenübersteht und es geschehen lässt.

Das ist nicht nur das künstlerische Programm von Hans-Jürgen Schmejkal, sondern auch eine Lebenshaltung. In seiner Malerei lässt er Bilder geschehen. Er malt weniger eine Vorstellung davon, wie er es denn gerne hätte, sondern lässt sich von seinem Unbewussten (das auch durchaus kollektiv sein darf) leiten und erschafft Bilder, die ihn selber überraschen. Bilder, die nicht dem Kriterium von Schönheit und gutem Geschmack entsprechen. Bilder, die irritieren und provozieren, wie die, in denen Sex und Tod oder Schönheit und Grausamkeiten gleichwertig nebeneinander stehen. Es gibt aber auch die herzöffnenden poetischen Bilder, die Hans-Jürgen Schmejkal deshalb gelingen, weil er sie nicht zum Programm erhebt und als Stilmittel endlos wiederholt.

Und wie sieht nun der Zeuge von Nichts aus? Das Foto zeigt den Künstler vor seinem gleichnamigen Bild. Grundlage ist ein Gemälde der „Nicht-Dinge“, in dem das ewige Gesetz des Werdens und Vergehens herrscht, eine Art Ursuppe, aus dem die Welt entstanden ist. Darum herum hat Hans-Jürgen Schmejkal eine doppelte Portraitlinie in Schwarz und Gold gemalt, die die amorphe Lebendigkeit zur inneren Welt des Portraitierten werden lässt. Dieser Lebendigkeit im Inneren steht eine rosa schimmernde Aura der Ruhe im Außen gegenüber. Beide Welten stehen nicht gegeneinander sondern bedingen sich gegenseitig. Aus der vorurteilslosen Akzeptanz der inneren Lebendigkeit entsteht eine Kraft der äußeren Stille.

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