So schön kann Vergänglichkeit sein

Juli 2014

Wer die Bilder von Hans-Jürgen Schmejkal aus Holle kennt, wundert sich über seine neue Ausstellung im Glashaus: keine nackte Frau und keine Überschreitung sexueller Tabus – dagegen fast nur Blumensträuße auf allen Bildern dieser Ausstellung. Ist der „Wilde aus dem Nettetal“ jetzt ruhig und harmlos geworden?

Keineswegs, denn es ist der Malerei von Hans-Jürgen Schmejkal egal, ob sie Frauen oder Blumen zeigt. Außerdem hat der Maler nie aufgehört, sich von Frauen betören zu lassen. Die Ausstellung im Glashaus mit dem Titel „Sein feiern“ zeigt nur konzentriert einen Ausschnitt aus einem riesengroßen Werk von mehr als 2.500 Gemälden und unzähligen Grafiken und Zeichnungen. Dieses Mal sind es Blumen und Blumensträuße: Gemälde, die explodieren, Kraft versprühen, vor Lebendigkeit knistern und tiefe Schönheit vermitteln.

Entscheidend für ein Bild ist weniger das Motiv als die Art und Weise, wie es dargestellt wird. Hans-Jürgen Schmejkal bleibt auch in diesen Bildern seiner Malweise treu und haut mit dem Pinsel nur so um sich. Überall ist die Bewegung des Malers im Bild präsent. Die Pinselstriche sind frei von festen Vorstellungen und Stereotypen. Sie lassen dem Zufall und dem Unbewussten viel Platz und erreichen so das wilde Herz des Betrachters.

Vorder- und Hintergrund durchdrängen sich auf seinen Bildern gern. Da scheinen alte Übermalungen durch und darüber legt sich locker eine geschwungene Linie. Kein Blumenstrauß ist ein abgemalter Strauß, sondern ein selbständiges Bild voller Poesie und Leidenschaft. Da hängen prall gefüllt glockenartige Früchte vom Himmel herab, ein wind-zerzauster Strauß wird von einem goldgelben Hintergrund durchflutet, ein Blumenfeuerwerk, von dem der Topf sich längst verabschiedet hat, steht über einem spiegelnden See und senkt sich würdevoll herab. Ein Frauenportrait, die „Prinzessin“ ist selbst behängt und geschmückt wie ein Blumenstrauß und steht würdevoll inmitten von 3 Sträußen, die sich gegenseitig in ihrer Schönheit überbieten.

Spätestens hier wird deutlich: so weit voneinander entfernt sind Blumen und Frauen nun auch nicht! Bei beiden geht es Hans-Jürgen Schmejkal um die Präsenz der weiblichen Urkraft, die alles hervorbringt und auch wieder verschlingt. Blumensträuße haben nur eine kurze Lebensdauer und Hans-Jürgen Schmejkal malt sie im Moment ihrer größten Kraft und Herrlichkeit. Dahinter steht das Vergehen und Verwelken, denn Schönheit ist nie schöner als im Angesichts des Todes.

Die Ausstellung wäre aber nicht vollständig, wenn nicht auch die dunkle Seite der Macht vertreten wäre. Ein Bild fällt aus dem blühenden Rahmen heraus: ein dunkler, fast schwarzer Behälter aus dem tiefrote Rosen und gelbschmutzige Blüten erwachsen. Ein achtlos hingeworfener älterer Strauß? Ort und Zeit lassen sich auf diesem tiefen und schweren Bild nicht bestimmen, doch einst scheint sicher: dies ist der erste männliche Strauß in dieser Ausstellung. Mehr Kraft als Grazie, mehr Schwere als Leichtigkeit und mehr Dunkelheit als Licht.

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