Wohltuende Ruhe nach dem Sturm
April 2014
Was ist Malerei? Diese Frage beantwortet die April-Ausstellung im Glashaus. Enrico Pellegrino präsentiert Landschaften und Naturausschnitte von überbordender Üppigkeit und abstrakte Bilder intensiver Harmonie. Malerei, das zeigt der Künstler aus Kassel, ist kein Abbild der Natur, sondern eine eigenständige Beschäftigung mit Form und Farbe, die sich von der Natur inspirieren lässt. Oder anders gesagt: Ein Pinselstrich ist ein Pinselstrich, ist ein Pinselstrich, ist ein Pinselstrich.
Der Pinselstrich von Enrico Pellegrino lebt. Er lebt wie auf den Bildern von Van Gogh oder Monet durch einen heftigen Farbauftrag, der die Bilder von Nahem in die 3. Dimension rückt. Er lebt, weil er seine Lebendigkeit nicht hinter der Fassade des Abbilds versteckt, sondern sich über sich selbst freut. Er lebt, weil er pure Energie ausstrahlt. Er lebt, weil er lebendig ist.
Enrico Pellegrino malt Landschaften und Naturausschnitte. Ein Holztor im Garten von wildem Wuchs eingerahmt. Ein Gartenzaun umspielt von dichtem Gestrüpp in leuchtenden gelben, roten, blauen und grünen Farben. Eine gespiegelte Seefläche in wilden Herbstfarben. Eine Blumenwiese mit hellen Pflanzen im tiefdunklen Grün. Eine altes weißes Häuschen, versteckt und eingehüllt von Wiese, Busch und Baum. Der alte Garten von Marie Luise Kaschnitz lässt grüßen.
Auf seinen Bildern darf die Natur blühen und sprießen. Eins ist klar: gemäht wird hier nie. Hier darf die Natur wachsen und gedeihen und den Menschen mit ihrer Schönheit berühren. Enrico Pellegrino malt bewegte Bilder. Bewegt durch den Duktus des Pinselstrichs, der immer als Oberfläche sichtbar bleibt, bewegt durch die Kraft der Farben und die Tiefe des Erlebnisses. Seine Bilder hüten ein Geheimnis, das das ewige Werden umschreibt. Was aus nächster Nähe als wildes Chaos erscheint, setzt sich Stück für Stück zu einem sinnvollen Ganzen zusammen. Was zunächst abstrakt wirkt, formt sich zu einem konkreten Bild, ein ständiger Wechsel zwischen werdender und fertiger Form.
So ist es kein Wunder, dass in dieser Ausstellung auch abstrakte Arbeiten hängen, quadratisch und von einem Grundton durchzogen. Aus diesem Grund tauchen Formen auf, die sich harmonisch in die Komposition einpassen. Wer vorher die Naturbilder gesehen hat, erkennt nun Formen von Blättern, Pflanzen, Bergen und Häusern, die nie konkret werden, sondern immer nur so sein könnten und es sofort wieder nicht mehr sind. Was vorher vor lebendiger Unruhe und unbändiger Kraft nur so strotzte, wird hier ganz ruhig und von meditativer Betrachtung durchzogen. Eine wohltuende Ruhe nach dem Sturm.




