Wein, Weib, Gesang und mehr!

Juli 2003

Zunächst erwartet den Besucher ein reich gedeckter Tisch. Ein Stillleben mit Früchten und Wein aber gar nicht still serviert. Daneben steht schon ein Tier über den Speisen. Wie die Wölfin von Romulus und Remus thront es auf dem Tisch, bereit, mehr als nur Nahrung zu bieten. Nach dieser Vorspeise kommt der Maler Hans-Jürgen Schmejkal im Atelier des Glashauses richtig zur Sache. Hier warten hingebungsvolle Frauen, kämpfende Männer, träumende Schönheiten und verschmelzende Paare.

Die Welt von Hans-Jürgen Schmejkal dreht sich zunächst um den Gegensatz zwischen Männlich und Weiblich. Da liegen rechts und links je eine Nackte und dazwischen tanzt ein wilder Krieger mit erhobenem Speer. Auf der einen Seite lockt ewig das Weib, auf der anderen Seite steht die wilde männliche Kraft, zum Kampf bereit. Aus diesem Gegensatz entwickelt Hans-Jürgen Schmejkal in seinen Bildern eine erotische Spannung – von sinnlich bis obszön. Da träumen echte Musen vor sich hin und sind eine Quelle für sinnliche Freiheit. Da bevölkern aber auch Monster die Szene, voll von wilder Geilheit. Die Bilderwelt von Hans-Jürgen Schmejkal schildert die Urtriebe der Menschen und erhebt sich darüber hinaus in göttliche Bereiche.

Das Wutbild zeigt einen dunklen Mann von der Seite. Sein Gesicht ist verzerrt, die Augen zu klein und der Mund mit den weißen Zähnen zu groß. Mit dem Gesicht an der Bildkante schreit er seine bestialische Wut heraus. Der größte Teil des Bildes wird von dem gekrümmten Rücken gefüllt. Darauf lodert ein buntes Feuer, das ihn treibt: Wut in seiner reinsten Form. Doch über diesem Bild hängt ein weiteres. Einem Engel gleich schwebt ein Gesicht auf gefleckten Grund und schaut auf den Wütenden hinab. Der Blick ist voller teilnahmslosem Mitleid und mitfühlender Weisheit.

Hans-Jürgen Schmejkal ist ein dionysischer Maler, der keinen Schrecken scheut. Er schaut in Abgründe und vergnügt sich sogar noch an ihnen. Doch wäre das alles gar nicht auszuhalten, wenn es nicht eine höhere Ebene gäbe, die diesen Kosmos zusammenhält. In dieser Ausstellung ist es der Kopf einer Frau, übergroß und mit geschlossenen Augen. Sie thront wie eine heilige Madonna oder wie ein Buddha über allem, ohne sich einzumischen. Im Hintergrund wimmelt es von kleinen Gestalten, die in einem Lichtkranz, der den Kopf umschmiegt, verschwinden.

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