Körper in Bewegung
September 2003
„Körperwelten“, so könnte die neue Ausstellung im Glashaus heißen, wenn der Titel nicht schon an die aufbereiteten Toten von Gunther von Hagens vergeben wäre. Die Körperwelten der Braunschweiger Künstlerin Elke Roziewski haben aber gar nichts gemein mit den sensationellen Untoten, die für viel Unruhe sorgen. Die Malerin Elke Roziewski zeigt bewegte Körper mit viel Farbe, Struktur und Humor.
Erstaunlich, wie viele verschiedene Körperhaltungen es doch gibt. Auf einer Arbeit mit 70 postkartengroßen Bildern tummeln sich allerlei aufrechte Gestalten. Bei der einen ist der Oberkörper nach vorn gebeugt und beide Arme nach hinten gestreckt. Die andere hat ihre Hüften zur Seite geschoben und die durchgestreckten Arme leicht vom Körper abgewinkelt. Eine andere wieder hat die Knie nach innen gedreht, die Beine gespreizt und die Hände über dem Kopf zusammengelegt. Aus diesem Kaleidoskop von Körpern ergeben sich immer wieder neue überraschende und witzige Haltungen und Körperausdrucke, die Elke Roziewski in ihren großformatigen Arbeiten fortführt. Ihre Körper sind nichts als Körper. Obwohl kaum Gesichtsausdrücke oder geschlechtliche Merkmale zu erkennen sind, lassen sich alle Körper fast eindeutig als weiblich identifizieren. Manchmal ist ein Frauenkopf zu erkennen und nur kleine Merkmale von Form und Haltung ergeben den sicheren Eindruck von Frauengestalten.
Die bewegten Körper von Elke Roziewski sind eingebettet in eine tiefe Farbigkeit und in eine reliefartige Oberfläche aus Sand, Pappe und Stoff. Das Bild „Getrennt und doch zusammen“ könnte das Motto für die Ausstellung im Glashaus sein. Elke Roziewski zeigt Bilder als Serien, bzw. als Diptychons, Triptychons oder auch als vierteilige Arbeiten. Der formalen Trennung auf verschiedenen Leinwänden steht die gemeinsame Bearbeitung der zusammengehören Bilder gegenüber. Die Figuren sind räumlich getrennt und gehören inhaltlich zusammen.
Eine großformatige Arbeit aus 4 Bildern ist von einem leuchtenden reinen Blau des Hintergrunds durchdrungen. Drei helle, spielende Frauengestalten sitzen im Kreis und kitzeln sich die Füße. Das Thema ist ein Klassiker: „Die Badenden“ sind in der klassischen Malerei und der Moderne ein immer wiederkehrendes Thema der unterschiedlichen Malsstile und Kunstauffassungen. Bei Elke Roziewski gehen Farbe und Struktur eine intensive Verbindung ein, in der die Körperlichkeit nahezu fühlbar wird. Neben dem Witz und Charme kommen aber auch andere Schichten des Selbst zum Vorschein. In diesem Bild zum Beispiel werden die Rücken der drei Frauen durch Stoffnähte zusammengehalten: Verletzungen, die sich nicht sogleich in den Vordergrund drängen. Am Bildrand tummeln sich drei dunklere Gestalten und verschmelzen mit dem Hintergrund.
Elke Roziewski hat Spaß an der Bewegung. Der Titel der Ausstellung „Leise bewegen wir uns“ heißt soviel wie: wir bewegen uns eigentlich immer. Ob wir schlafen, gehen oder sitzen. Der Körper drückt sich und seine Empfindungen immer aus, die Körpersprache ist viel direkter und ehrlicher als die gesprochene Sprache. Oft wird ein „Mir geht es gut!“ durch den Ausdruck des Körpers konterkariert. Elke Roziewski widmet sich dem Körperausdruck in all seinen Formen – in farblich eindringlichen und durch die Bearbeitung der Oberfläche hervorgehobenen Körperwelten.



