Der Tschinko-Code

August 2006

Wenn das Glashaus von vielen gemalten Frauengestalten mit geschlossenen Augen bevölkert wird, von Buddhas und Buddhinen, dann kann nur einer der Künstler sein: Hans-Jürgen Schmejkal aus Derneburg, Künstlername Tschinko, der seine neuesten Bilder in der August-Ausstellung im Glashaus zeigt.

Hans-Jürgen Schmejkal ist mit Vorliebe ein Maler des Weiblichen. Neben Kriegern, Tieren und Landschaften sind es immer wieder die Frauenbilder, die im Vordergrund seines Schaffens stehen. Malt da einer, den das Weib ewig lockt? Nicht nur, denn die Bilder des Weiblichen gehen bei Hans-Jürgen Schmejkal über die bloße Verlockung hinaus und stehen für eine Grundhaltung dem Leben gegenüber. Während das Männliche in seinem Werk mehr Kraft und Aggression ausdrückt, ist das Weibliche die Quelle für die in sich ruhende Aufmerksamkeit, für Stille und Hingabe. Die Frauengestalten sind poetisch und farbenfroh gemalt. Sie verführen, jedoch nicht zum schnellen Hinlangen, sondern zu innerer Einkehr und Stille. Mal sind es individuelle Frauenportraits, dann wieder weibliche Archetypen. Über allem stehen die Buddhinen, weibliche Buddhas, die die östliche Lehre von Gelassenheit und Transzendenz verkünden.

Ist ein Künstler so auf das Weibliche in der Kunst fixiert, dann muss er auch Stellung beziehen zu Dan Browns „Da Vinci Code“, in dem die Unterdrückung des Weiblichen in der christlichen Kirche zum Thema gemacht wird. Im Mittelpunkt des Buches steht Leonardos Gemälde des Abendmahles, das nach Dan Brown mit versteckter weiblicher Symbolik angereichert ist. Die Antwort des Derneburger Künstlers ist so eindeutig wie andersartig. Er versteckt nichts Weibliches und ergeht sich auch nicht in Symbolik. Sein Bild „Das letzte Abermals“ zeigt eine aufrechte weibliche Figur mit großen gelben Brüsten unter der das Leben wimmelt. Allerlei Gestalten hängen an ihren Rockzipfeln, ziehen Grimassen und durchwühlen die Unterwelt. Und über allem thront die durch nichts zu erschütternde Madonna. Das Weibliche als Urgrund des Lebens, aus dem alles geboren wird und das alles beschützt.

Der „Tschinko-Code“ ist eine wunderschön gemalte unverhüllte Hommage an das Weibliche.

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