Auf dem Weg zu kindlicher Offenheit

Juli 2006

Die Wilderers sind nicht die „Wilden“ aus der Kunstgeschichte und keine Wilderer, die dem Jäger das Wild rauben. Die Wilderes sind eine Gruppe von behinderten Künstlerinnen und Künstlern, die in den Diakonischen Werken Himmelsthür leben und arbeiten und ihre Bilder zurzeit im Glashaus zeigen.

Die Bilder der Ausstellung „Priwall und Meerbilder“ sind bei einer Reise der Wilderers an die Ostsee entstanden. Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonischen Werke Himmelsthür, verdeutlichte in seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung, dass die Wilderes die Welt mit anderen Augen sehen. Zur Eröffnung war auch ein Team des NDR Fernsehens anwesend, das eine Dokumentation über die Künstlergruppe dreht. Vor den Kameras des Fernsehens stellten sich die Mitglieder der Künstlergruppe unter Leitung von Almut Wiechmann selber vor.

Die Wildheit der Wilderers liegt in ihrer Einfachheit und Unmittelbarkeit. Sie vertreten keine „Ismen“ und keine komplizierten Kunstideen, die man nachlesen muss, um sie zu verstehen. Sie nehmen Farbe und Material, haben eine Leinwand vor sich und los geht’s! Ein Teil der Wilderers ist wie Kinder, die malen. Unbeschwert und naiv. Der Nachteil ihrer Behinderung im normalen und öffentlichen Leben kann sich in der künstlerischen Betätigung zum  Vorteil  entwickeln.   Berühmte  Künstler  wie

Picasso, hatten ein großes Ziel: so malen wie die Kinder – ohne den Ballast von Erziehung und Sozialisation. Alle Menschen machen diese Entwicklung durch: in unserer Entwicklung verlieren wir zwangsläufig die Naivität und Offenheit des Kindes, werden verletzt und errichten Schranken aus Vorsicht und denken mehr als dass wir fühlen. Der Weg zurück zu kindlicher Offenheit ist schwierig. Die Wilderers stehen dem kindlichen Verhalten näher und produzieren deshalb Bilder, die einfach und schön sind.

Die Wilderes zeigen in der Ausstellung, immer inspiriert vom Meer, Farben und Formenspiele,  wie sie zum Beispiel beim dem Glitzern des Wassers auftreten. Sie sammeln Muscheln und Sand und bauen das Meer in ihren Bildern noch einmal nach. Man sieht blaue Felsen in blauem Meer mit weißer Gischt. In einer Serie werden die Paulus-Kirche, die Elisabeth-Kirche und die Schifffahrt in eine Reihe gestellt. Kleine Bilder in gleicher Malweise mit grünen, blauen und weißen dicken Pinselstrichen. Kirche und Schiff und Religion und Schifffahrt kommen hier zueinander. Frohe Bilder wie das Aquarell auf der Einladung mit Meer und Vögeln in blau-grüner Landschaft wechseln sich ab mit traurigen Bildern von einer Meerjungfrau mit schiefen Augen und für immer getrennt von einer zweiten Gestalt – und dazu lacht die Sonne.

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