von links nach rechts: Jamshid Badrnejad, Bettina Schneider, Eva Harenberg-Ullrich, Hartwig Gerbracht und Pavle Kovacevic.

Knöpfe und der heilige Gral der Schmiedekunst

Dezember 2010

In den letzten Wochen vor Weihnachten halten traditionell die Kunsthandwerker aus dem Landkreis Hildesheim Einzug ins Derneburger Glashaus. Dieses Mal präsentieren Bettina Schneider, Hartwig Gerbracht und Pavle Kovacevic mit ihren Gästen Eva Harenberg-Ullrich und Jamshid Badrnejad ihre Arbeiten.

Eva Harenberg-Ullrich

Eva Harenberg-Ullrich verbindet in ihren Objekten Gegensätze: das Leichte spielt mit dem Schweren, das Feine mit dem Festen, das Zerbrechliche mit dem Harten. Sie formt rostige Eisenplatten mit Gaze ab, Kreise, Halbkreise und Dreiecke. Die Platten verschwinden und übrig bleibt die leere Form aus Stoff: eine Art Totenmaske, die an das Schweißtuch der Veronika erinnert. Eva Harenberg-Ullrich liebt das scheinbar Banale, um es zu etwas Besonderem, Erhabenen und Schönen zu erheben. Bei ihr werden schwere Eisenringe an Gelenken zu Skulpturen auf langen Stelzen und verwandeln sich zu Königskindern, die sich nicht finden können.

Jamshid Badrnejad

Jamshid Badrnejad liebt das Holz, das runde Holz, das gedrechselte Holz. Er stellt Vasen, Schalen und Dosen her, einfach, schlicht und kreisrund. Seine Arbeiten faszinieren durch den Kontrast von innen und außen. Die Außenhaut ist rau, dunkel und die Trocknungsrisse im Holz bleiben sichtbar. Innen ist die Schale hellt, glatt, geschliffen und fein. Die dicken Wände geben seinen Arbeiten eine Schwere, die durch die perfekte Form wieder aufgelöst wird.

Pavle Kovacevic

Wer sich gerne die Schönheit eines Kirchenfensters ans Ohr hängen oder als Brosche anstecken möchte, ist bei Pavle Kovacevic richtig. Der Metalldesigner stellt im Stil der Fensteremail kleinste Schmuckstücke voller Farbe, Harmonie und Leuchtkraft her. In dieser Technik hat Pavle Kovacevic es durch jahrzehntelange Tradition zur unverkennbaren Meisterschaft gebracht. Er liebt auch in seinen Ketten und Ringen die einfache Form, verbunden mit der Kraft der Farbe. Besonderes Schmankerl sind einzelne Knöpfe als Schmuckstücke. Ein neuer Ort, um Schmuck zu zeigen: das Knopfloch. Knöpfe als kleine Kunstwerke, bunt, edel und einzigartig.

Hartwig Gerbracht

Hartwig Gerbracht ist der Schmied in dieser Ausstellung. Er nimmt den Begriff „Kerzenhalter“ wörtlich und formt aus einem langen Eisenstück einen nach oben sich erweiternden Stamm, dessen Ende sich wie eine Hand haltend um die Kerze schmiegt. Die Diskussion „Form follows function“ bereichert Hartwig Gerbracht durch eine neue Variante: bei ihm heißt es: Die Form folgt dem Begriff. Daneben zeigt Hartwig Gerbracht Schalen aus hartem Metall, die wie weiches Wachs geformt wurden, mit runden Eindrückungen und Verformungen, die fast an flüssige Zustände erinnern. Seine aus Silber getriebenen Schalen sind so dünn, dass sie eher ein Abbild eines Gefäßes sind, als ein Gebrauchsgegenstand. Ihre Herstellung ist nur durch Dopplung oder Verdreifachung möglich, weil eine Wandung wegen ihrer Dünne von zwei Zehntel Millimeter allein nicht mehr bearbeitet werden kann. So besitzt jede Schale ein oder zwei eineiige Zwillinge oder Drillinge, die sich fest ineinander schmiegen, oder auch alleine stehen können. In ihrer einfachen und grundsätzlichen Schönheit wirken sie wie der heilige Gral der Schmiedekunst.

Bettina Schneider

Die Designerin Bettina Schneider liebt Pferde und malt Pferdebilder. Bei ihr sind die Pferde aber keine bloßen Abbilder, sondern Träger von Gefühlen und ästhetischen Kompositionen. In einer Reihe thematisiert sie die „Vision eines nahen Todes“. Die gleiche Form eines auf der Erde liegenden sterbenden Pferdekörpers wird in grellen, bunten und wilden Farben und Formen als ein Gefühl des „Wahnsinns“ ausgedrückt, in einem anderen Bild kommt die „Verzweiflung“: dunkel Farben gehen ineinander über und die Nacht bricht ein. In der „Hoffnung“ ist der Pferdekörper hinter Gräsern versteckt, warme Töne herrschen vor und sind mit goldenen Strichen versetzt. Auf der Suche nach „Objektivität“ wird der schwarze Pferdekörper als absolute Form vor einem weißen Hintergrund scherenschnittartig dargestellt. Andere Bilder sind für Bettina Schneider Anlass zu einem ästhetischen Spiel mit Formen und Farben auf denen aber immer deutlich ist die Grazie und Schönheit des Pferdes zum Ausdruck kommt.

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