Einheit in der Vielfalt
Mai 2006
Ein Kopf auf dem Bild der rumänischen Künstlerin Valentina Drutu könnte das Symbol für das internationale Kulturfestival „Holle Tage“ im Glashaus sein: In einem frontal zum Betrachter gewandten ovalen Gesicht wimmelt es nur so von kleinen Gesichtern, die das große Gesicht formen. Die Grenze zwischen vertraut und fremd wird damit nicht zu einer Frage der Kulturen, sondern zu einer Frage in jedem einzelnen Menschen, der so eindeutig gut oder böse nicht ist, sondern immer beides in sich trägt. Valentina Drutu zeigt die Vielfalt im Ganzen, sie liebt diese Vielfalt, die sie in ihren Grafiken mosaikartig darstellt. Die Fische im Aquarium hat sie waagerecht und senkrecht geordnet, umgeben von goldenen Verwirbelungen des Wassers. Die Fische, ein christliches Symbol, zeugen von einer Vielfalt in der Einheit. Letztendlich, so die Botschaft für die „Holle Tage“ sind wir alle gleich.
Micha Kloth aus Lamspringe, ist in dieser Ausstellung mit einer großen Collage aus 9 Bildern vertreten. Ein Motiv aus hellen Farben wird immer wieder wiederholt: eine Figur, nur aus 2 weißen Beinen bestehend und darüber eine geometrische Form mit einem Kopf-Profil als Inhalt. So genannte Kopffüßler, es fehlt der Körper. Was zunächst wie ein Spiel mit Formen und Farben erscheint, ist bei näherem Hinsehen auch eine Stellungnahme zu den „Holle Tagen“. Die ornamentierten Kreise, Quadrate, Dreiecke und Kreuze in denen der Gesichtskreis der mit offenen Augen schauenden Menschen eingeschlossen ist, repräsentieren jede ihre eigene Welt: mal rund, mal eckig, mal blau, mal grün. Alle zusammen sind sie jedoch so gleich, gleicher geht es gar nicht. Sie formen zusammen eine bunte Welt, in der es keine Unterschiede gibt.
Bei der türkischen Künstlerin Gülbin Kocak fehlen diese symbolischen Hinweise. Ihre Bilder sind direkter und erzählen von Leid, Leidenschaft und Verbundenheit. Die Farben sind erdig dunkel und das Thema ist der Mensch. Aus fließenden, sich auflösenden und vermischenden Formen die wie Blätter im Wind oder eine aufgewühlte Landschaft erscheinen, erkennt man auf den zweiten Blick zwei Gestalten, die voreinander hocken. Sie sind sich zugewandt und die Bewegung im Bild drückt ihre Gefühle aus. Ein anderes Bild setzt sich aus wilden schwarzen, grünen, gelben und roten Formen zusammen. Zwei Hände umfassen hilflos einen schwarzen Kopf, eine verzweifelte Geste und erst jetzt wird deutlich, dass rund um die Gestalt die Welt sich in Feuer und Zerstörung auflöst. Gülbin Kocak zeigt keine realistische Darstellung von Gewalt und Terror sondern mit viel Gefühl und Tiefe die seelischen Zustände der Menschen.




