Bozena Kopij-Machnik, Malgorzata Konwerska, Magda Jarzabek
Juni 1999
Bei einer Ausstellung mit 3 polnischen Künstlerinnen innerhalb eines deutsch-polnischen Kulturfestivals kann sich eine Frage aufdrängen: „Was ist das typisch Polnische in dieser Ausstellung?“ Es geht aber weniger den Unterschied der Kulturen, sondern um die einzelnen Position der Künstlerinnen und um die Verbindung von zwei Kulturen und das Erleben von Gemeinsamkeiten.
Bozena Kopij-Machnik
Die leichteste Verbindung zu einem Kulturfestival stellen die Bilder von Bozena Kopij-Machnik her. Ihr Thema in dieser Ausstellung ist der Künstler und seine Haltung zum Leben. In der Person des Clowns konzentriert sich für Bozena Kopij-Machnik die Grundeinstellung des Künstlers, der sich in die Manege, bzw. auf eine Bühne stellt und sich dem Publikum preisgibt. Der Clown ist eine Kunstfigur, der durch Dramatisierung hinter die Dinge schaut. Der Clown nimmt eine besondere Position ein, er schwebt wie auf einer Schaukel zwischen Himmel und Erde und sucht das Glück. In dem Bild „Am Abgrund“ balanciert er auf einem schrägen Seil und lebt gefährlich – gleichzeitig teilt er uns seine Hilflosigkeit und Angst mit. Im Clown verschmelzen Mut und Demut zu einer zutiefst menschlichen Haltung voller Trauer und Anmut. In dem Bild „Clown mit zwei Puppen“ wirkt der Clown wie eine Puppe und die Puppen so lebendig wie ein Clown. Das Bild „Berührung“ zeigt in weichen Pastelltönen eine alltägliche Szene voll Poesie. Mit weit geöffneten großen Händen beugt sich der Clown herab zu einem Ball, der sich in diesem Moment in ein großes Wunderding verwandelt. Das malerische Interesse von Bozena Kopij-Machnik gilt der Poesie der Figur, der sie durch die Lebendigkeit der Farbe den entscheidenden Ausdruck verleiht.
Malgorzata Konwerska
Mit viel Witz kommen die Arbeiten von Malgorzata Konwerska daher. Sie zeigt in dieser Ausstellung 7 Zeichnungen, die sich an Comic-Heften orientieren. Mit festem Strich sind auf den knallbunten Zeichnungen die großen runden Ohren der Mickey Mouse zu erkennen, Knollnasen, runde Augen, Hände, Arme, Haare, Mund, Zunge und Zähne. Die Einzelteile überlagern und durchdringen sich, sie bilden ein großes Durcheinander, ein neu zu ordnendes Puzzle. Die heile Welt des Comics wird von Malgorzata Konwerska mit ihren eigenen Stilmitteln konterkariert. Ihre Bilder sind voller Lebendigkeit und erzählen immer wieder neue Geschichten, die nie enden wollen.
Magda Jarzabek
Die formal strengste Arbeit präsentiert Magda Jarzabek. Sie stellt 7 farbige Radierungen aus, die auf den ersten Blick an die Schmetterlingsbilder von Kindern erinnern. Dabei wird Tinte auf ein Papier gestrichen, das man dann in der Mitte zusammenfaltet. So entstehen symmetrische zufällige Formen, die die Phantasie des Betrachters anregen. In den Bildern von Magda Jarzabek entstehen die Formen durch die umgebende dunkelfarbige Fläche. Sie sind nicht exakt symmetrisch und zeugen von einem langen Herstellungsprozess. Sie erinnern durch den Aufdruck von Linien an Landkarten, die vom Wasser umgebene Länder zeigen. Magda Jarzabek erschafft mit ihren Radierungen neue Welten, die eine selbstständige Schönheit besitzen. Durch die Reihung entsteht der Eindruck von einem unendlichen Spiel und Reichtum an Formen und Farben, die noch zu entdecken sind. Die meisterliche Radiertechnik verschafft den Bildern den Eindruck von alten Schatzkarten, die an sich schon Schätze sind.
Im Rahmen des Deutsch-Polnisches Kulturfestivals „Holle Tage 1999“




