Im Mittelpunkt steht der Mensch
7 künstlerische Positionen der 13. Klasse der Waldorfschule Hildesheim
Juni 2012
Die Abiturklasse der Freien Waldorfschule Hildesheim ist wegen der falschen Abiturvorbereitungen im Fach Deutsch zurzeit bundesweit in den Schlagzeilen. Dass die Klasse mehr zu bieten hat als negative Schlagzeilen beweisen sieben Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule, die ihre Abschlussarbeiten aus dem Fach Kunst im Glashaus ausstellen. Wer jetzt anthroposophische Kunst im Einheitsformat erwartet, liegt falsch. Die sieben jungen Menschen zeigen sieben eigenständige künstlerische Positionen, die sich intensiv mit der Malerei, der Grafik und der Skulptur auseinandersetzen. Im Mittelpunkt aller Arbeiten steht der Mensch mit seinen Ansichten, Standpunkten und Gefühlen.
Madlin Freese rückt ganz nah an die Menschen heran. Ihre künstlerische Devise: je genauer man hinschaut, umso schöner und reizvoller wird das Thema, auch wenn es sich um eines handelt, das man nicht so gerne sehen möchte: das runzlige und faltige Gesicht des Alterns. Ein von vielen dunklen Blautönen durchzogenes Bild zeigt einen Ausschnitt eines alten Gesichtes: Nase, Mund, Hals und viele wirre Haare. Die Struktur des Bildes wird von einer von faltigen, faserigen Oberfläche gebildet, als Relief herausgearbeitet und erhöht die Altersstruktur der Haut ins dramatisch-schön Erhabene. Portraits sind auch das Thema von Ilona Hagemann. Sie bewahrt mehr Abstand und modelliert ihr Gegenüber klassisch mit dem Bleistift. Ihre Gesichter sind sehr fein modelliert und genau beobachtet. Ilona Hagemann traut sich, genau hinzusehen und portraitiert einen schlafenden Jungen ebenso wie einen alten Mann mit weit aufgerissenen Augen oder ein nachdenkliches Mädchen.
Sandra Behrens mag mehr die ornamentale Malerei. Zum einen zeigt sie eine Komposition aus farbigen Quadraten, eine Hommage an Paul Klee, zum anderen setzt sie kleine rote Blumen auf weiße Gaze. Ihre Arbeiten sind angenehm reduziert und geben sich fein, zurückhalten und leise. Florian Ahrens hat eine Vorliebe für das Licht. Er findet alltägliche Gegenstände, die er ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt und in neue Zusammenhänge stellt. Mit Vorliebe alte Sportgeräte. Daraus baut Florian Ahrens ästhetisch strenge Objekte, die strahlen. Aus einem Schleuderball und Eisenstangen wird eine gebogene Hängelampe, aus einer alten, abgewetzten Holzplanke eine figürliche Stehlampe.
Ole Meyer fühlt sich zur Graffiti-Kunst hingezogen. Er bearbeitet Grafiken am Computer, seine Formensprache ist wild, explodierend und laut. Seine Themen sind die Menschen in ihrem Chaos, der Soldat im Krieg und der Mensch im großstädtischen Durcheinander. Birke Sichermann zeigt eine Serie von Gesichtern, Drucke aus großen Punkten, schnellen Strichen, verwischt und leicht. Alle Gesichtsausdrücke sind sehr reduziert gemalt und strahlen Fröhlichkeit und Heiterkeit aus. Die Botschaft lautet: „We are one“ – wir sind ein Volk, gemeinsam sind wir stark und das bunte Miteinander ist der große Reichtum des Lebens.
Jannis Opel Bilder begeistern sich auch an der Vielfalt. Hier ist es allerdings die Vielfalt der Insekten. Er beobachtet die Natur sehr genau, ihre vielfältigen Formen und Erscheinungsweisen. In einer Serie von Bildbearbeitungen am Computer wird deutlich, dass Jannis Opel nicht wie ein Wissenschaftler sezierend arbeitet, sondern ihn fasziniert das Geheimnis und das Unbekannte dieser Welt, das einen staunen lässt.



