Zwei, die finden
März 2012
„Schwerter zu Flugscharen“ heißt es in der Bibel und der Friedensbewegung von 1980. „Flugschare zu Kunst“ heißt es 2012 bei Jochen Eickmann aus Machtsum, der aus metallenen Fundstücken neue, überraschende Objekte schafft. Seine Figuren bevölkern im März das Glashaus zusammen mit den Gemälden von Hans-Jürgen Schmejkal aus Derneburg. Zwei, die sich gefunden haben und zwei Finder, die nicht suchen, sondern sich dem Strom des kreativen Lebens überlassen.
Jochen Eickmann findet alte Schrottteile, die er ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und in ganz neue Zusammenhänge stellt. Aus diesen Fundstücken schweißt Eickmann Dinge zum Schmunzeln. Mit Vorliebe Vögel wie die Ente aus einem dicken Auspuffrohr und Eisenspiralen, ein Pinguin aus einem Auspufftopf, Radfelge und Hufeisen. Ein Drachen aus Ketten oder Stahlfedern, Vögel mit Schnäbeln aus Scheren und Flügeln aus Sägeblättern und Teelichter aus Hufeisen.
Einen besonderen Tisch hat Hans-Jürgen Eickmann für alle die zusammengeschweißt, die gerne mit dem Rauchen aufhören möchten. Auf einer alten Bremstrommel ist ein rundes Glas fest installiert. In der Trommel eine Packung Zigaretten, Zündhölzer und dazu ein Aschenbecher. Unerreichbar und doch ganz nah. Auch hier ist der Humor spürbar mit dem Hans-Jürgen Eickmann die Welt sieht und der Spaß mit dem er seine Objekte zusammenbaut.
Spaß am Malen hat auch der Künstler Hans-Jürgen Schmejkal. Seine Blumensträuße sind explodierende Farben und Formen voller Lebendigkeit, Kraft und Poesie. Seine Landschaften traumhafte Kompositionen aus Farbfeldern, die sich zu Bäumen, Wolken und Feldern formen.
Die Malerei von Hans-Jürgen Schmejkal ist fast immer frei von Perspektive. Die mosaikhafte Flächigkeit enthebt die Darstellung auf eine höhere Ebene. So sind die zwei Ansichten vom Schloss Derneburg genau als solche auch wiederzuerkennen. Sie sind aber auch zwei selbständige Gemälde mit klaren Konturen und einer Gleichwertigkeit der Gegensätze. Kunst und Natur, Gebäude und Landschaft verschmelzen auf diesen Bildern zu einem großen Ganzen.
Provokant hängen mitten in der Ausstellung vier rote, nackte Frauenbilder – weit entfernt von erotischen Männerphantasien. Die nackten aufrechten Frauen haben schmutzige Körper und entstellte Gesichter. Es sind rasende Furien oder Rachegöttinnen, denen Mann lieber nicht nahe kommen möchte, aus Angst gefressen und verschlungen werden. Und daneben wieder ein typischer Schmejkal: Der „Zeuge von nichts“, ein maskenhaftes Gesicht, den 4 Frauen genau zugewandt, ohne Emotion und starr. Keine Angst, kein Verlangen – nur vorurteilsfreies Beobachten, das ist die Lieblingshaltung mit der der Künstler malt.



