Susanne Reuleaux und Agnes Naber

Susanne Reuleaux & Agnes Naber

Collagierte Engel und weicher Alabaster

Juli 2005

Engel gibt es schon seit Jahrtausenden. Jetzt haben die Engel auch das Glashaus erobert. Susanne Reuleaux aus Salzhemmendorf zeigt dort im Juli ihre Ausstellung „Engel“, zusammen mit Alabaster-Skulpturen von Agnes Naber aus Wilstedt bei Worpswede. Doch wer schwerelose Lichtgestalten erwartet, der hat sich getäuscht, denn die moderne Engelforschung hat bewiesen, dass Engel auch ganz irdisch aussehen können. Zum Beispiel wie Bruno Gans in „Der Himmel über Berlin“ oder Nicolas Cage in „Stadt der Engel“.

Die Engel von Susanne Reuleaux erkennt man daran, woran man Engel erkennen muss: an ihren Flügeln. Ansonsten haben sie wenig mit den jenseitigen Gestalten zu tun, die vom Himmel herabsteigen. Die Engel von Susanne Reuleaux kommen aus der Kunstgeschichte, ihre Gesichter sind ausgeschnittene Fotos von berühmten Gemälden alter Meister oder der klassischen Moderne. Ihre Körper setzen sich aus Fotos, Strukturen, Texten und Übermalungen zusammen. Susanne Reuleaux zeigt Collagen und ihr persönlicher Engel ist die Künstlerin Hannah Höch (1889 – 1978), Collagekünstlerin des Dadaismus. Die Collagen von Susanne Reuleaux betonen aber keineswegs das Fragmentarische, also die willkürliche Zusammensetzung der Welt aus lauter Einzelstücken. Susanne Reuleaux führt nicht die Tradition de Dadaisten fort, sondern nutzt die Collage zur Schaffung von in sich geschlossenen Kunstwerken voller Schönheit, Harmonie, Witz und Humor. Ihre Collagen sind wie gewebte Stoffe, voller überraschender Einzelheiten aber dennoch ein lebendiges Ganzes. Mit ihren Collagen ehrt sie ausgewählte Maler wie zum Beispiel Gustav Klimt oder Otto Dix. Ihre Bilder sind wie Ikonen, nur viel irdischer: sie zeigen die Ahnen der Kunstgeschichte mit der lebendigen Präsenz des Hier und Heute.

Zu dem Thema Engel passt das Material aus dem Agnes Naber ihre Skulpturen herstellt: Alabaster. Durch diesen Stein kann das Licht hindurchströmen und deshalb kommen ihre Skulpturen im Glashaus besonders gut zur Geltung. Agnes Naber ist keine Bildhauerin, die dem Material ihren Willen aufzwingt. Sie formt nicht figürlich, sondern natürlich. So präsentiert sich der Alabaster mit fein geschliffenen Rundungen, Wölbungen und Vertiefungen ohne mehr als sich selbst darstellen zu wollen. Der geformte Stein aber will angefasst werden und mit der Berührung wird mit einem Mal die erotische Dimension der Skulpturen bewusst. Ohne bildliche Assoziation fasziniert der Kontrast zwischen der Härte des Steins und seiner samtweichen Oberfläche. Die Hände gleiten ohne Widerstand der Form über die Skulptur und zur Schönheit der Form gesellt sich die Sinnlichkeit der Berührung.