Gefeierte Weiblichkeit
August 2005
Es gibt die Lust auf Essen, Lust auf Reisen und Lust auf Leidenschaft. Der Maler Hans-Jürgen Schmejkal hat Lust aufs Malen und beweist das immer wieder aufs Neue: „Die große Lust“ heißt seine neue Ausstellung im Glashaus und im Mittelpunkt steht die Frau, lust- und geheimnisvoll, sinnlich und verspielt.
Mit seinen Bildern formuliert Hans-Jürgen Schmejkal eine Hommage an die Weiblichkeit. Eine Liebeserklärung an Hingabe, kraftvolle Stille und innere Einkehr. Zahlreiche Bilder sind aus der Spannung zwischen Maler und Modell entstanden, andere gehen weit darüber hinaus und zeigen überirdische Madonnen und weibliche Buddhas. Eines verbindet alle Bilder: Sinnlichkeit der Farbe, Verspieltheit der Ornamente und Wildheit des Pinselstrichs. Die äußere Widergabe realistischer Abläufe interessiert den Künstler nicht. Er forscht nach der Seelenwelt, malt Urängste und Urfreuden – Symbole des Lebens auf die Leinwand gebracht.
Auf einem Bild ist das Glashaus selbst dargestellt, aufgeklappt wie eine Bühne, durchstrahlt von Licht und Farbigkeit und auf dem Boden ein Gewimmel und Getümmel von kleinen nackten Gestalten. Hier tut es jeder mit jedem, ohne Scham, mit viel Humor und Fröhlichkeit. Mit dem gleichen Humor malt Hans-Jürgen Schmejkal eine kleine Ehrung an sein Vorbild Picasso: Da liegt lang hingestreckt eine nackte Frau, Goyas „Die nackte Maya“ und Manets „Olympia“ sind die kunstgeschichtlichen Vorläufer. Im Schoß der Frau erstreckt sich ein lustvoller Keuschheitsgürtel: ein Stierkopf oder besser ein Sattel mit einer Fahrradlenkstange, den Picasso als Readymade an die Wand gehängt hat.
Die Erotik der Bilder in dieser Ausstellung entsteht aus einer kraftvollen Stille. Sexuelle Lust wird nicht wie im Beate Uhse Laden ausgestellt, sondern wie in einem Tantra-Seminar gefeiert. Die Kraft steigert sich nicht in Begierde, sondern sie geht nach innen. Die weiblichen Figuren strahlen vor Gelassenheit, innerer Freude und äußerem Glanz. Das zentrale Bild der Ausstellung heißt „Die große Lust“. Hier vereinigen sich Mann und Frau in einem rituellen Tanz. Die Wildheit des Männlichen kommt mit der Sanftheit des Weiblichen zusammen und beide bilden zusammen einen großen Kreis, ein Ursymbol des Lebens, aus dem alles entsteht.



