Rebecca Opitz

Reflexion über das Medium Fotografie

November 2009

Vielfalt im Derneburger Glashaus: Zum Abschluss der Ausstellungsreihe „Fotografie“ zeigen 9 junge Fotografen ihre ganz unterschiedlichen Positionen zur aktuellen Fotografie. Gemeinsam ist allen Arbeiten die Reflektion über das Medium Fotografie, wie Dr. Torten Scheid bei der Ausstellungseröffnung im Glashaus ausführte. Nicht verwunderlich, denn alle Fotografen sind Studierende am Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften der Universität Hildesheim.

Julia Büttner

Wer die Fotografie beim Fotografieren hinterfragt, läuft schnell Gefahr intellektuelle Bildergebnisse zu liefern, die sich nur schwer erschließen. Nicht so in dieser Ausstellung, die nicht nur sehr vielfältige, sondern auch spannende Bilderlebnisse liefert. So hat Julia Büttner einige Arbeiten des berühmten Portrait-Fotografen August Sander exakt beschrieben und aus den Textinformationen stellten anderen Studenten das Foto nach. Das Original von Sander von vor knapp 100 Jahren steht nun einer Reproduktion gegenüber, die scheinbar mühelos durch die Zeit schreitet und das Alte in unsere Zeit herüberholt.

Rebecca Opitz

Mit einer Mischung aus Humor und Wissenschaft stellt auch Rebecca Opitz zwei Fotografien gegenüber. Auf der einen Seite ausgeschnittene Fotos aus Frisurenbüchern und gleich daneben Bäume, die mit den Haaren korrespondieren. Da gibt es frappierende Analogien zwischen der Haarpracht und fallendem Efeu, rankenden Wurzeln oder wildem Gestrüpp.

Katharina Guntermann

Katharina Guntermann macht das Erleben der Landschaft zu ihrem Thema. Sie fotografiert aus dem fahrenden Zug und das Ergebnis sind verschwommene Farbimpressionen auf Leinwand aufgespannt. Hier nähert sich die Fotografie der Landschaftsmalerei eines William Turners: mehr malerische Fiktion als ein Abbild der Wirklichkeit.

Franziska Hohnisch

Bei Franziska Hohnisch „glühen die Alpen“. Auch ihre Arbeiten sind auf eine große Leinwand aufgezogen und zeigen stark vergrößerte Aufnahmen der Alpen. Die vergilbten Fotos erinnern an eine Fototapete, die schon zu lage an der Wand gehangen hat. Auch hier geht es nicht um eine Abbildung der Berge, sondern um unsere Wahrnehmung der Berge durch die Fotografie.

Teja Sauer

Teja Sauer liebt die Lochkamera, mit der sie großformatige farbige Portraits erstellt. Auch diese Arbeiten kommen sehr malerisch daher und strahlen mit ihrer Unschärfe und Fokussierung Magie und Verzauberung aus. Obwohl ein Wiedererkennen der Person nicht möglich ist, bleiben diese Fotos sehr persönlich. Aune Stern konstruiert die Schönheit der Natur in ihren Fotos nach. Sie erstellt fotografische Kaleidoskope, die sehr ornamental wirken und die abgebildete Natur abstrahieren.

Jan Bornemann

Jan Bornemann hat mit seinen Arbeiten den 2. Preis beim Docma-Award 2007 gewonnen. Er montiert die Fotos am Computer und stellt reale Menschen in eine Modellbaulandschaft aus Kunstbäumen, HO-Bausätzen und Streumaterial. Die Fotos fordern zum genauen Betrachten auf und irritieren durch den Gegensatz von Künstlichkeit und Natürlichkeit. Sie hinterfragen den Umgang der Natur durch den Menschen.

Lisa-Marie Wuttke

Lisa-Marie Wuttke fotografiert gar nicht selbst, sondern hängt ein Fundstück in die Ausstellung: eine Schachtel voller Bilder aus einer Urlaubsreise nach Chicago aus dem Jahr 1979 von völlig unbekannten Leuten. Die verblichenen Abzüge thematisieren mit Hilfe eines Textes die Erinnerung an Menschen und Zeiten, die der Betrachter nicht gekannt hatte, mit denen er sich durch die Fotos aber verbunden fühlt.

Simon Schwinge

Eine strenge Fotoarbeit aus der Stilrichtung „straight photography“ präsentiert Simon Schwinge mit einem Portrait der alten Phoenix Werke am Moritzberg in Hildesheim. Seine Fotos der leerstehenden Büroräume und Arbeitshallen sind mit Peter Handkes Worten am besten beschrieben: Sie sind „leerer als ein Swimmingpool aus dem das Wasser abgelassen wurde“. Die Fotos der verlassenen Gebäude sind zwar leer, dennoch voll von verlassenem Leben, das hier über Jahrzehnte im Stadtteil pulsierte.

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