Paul Wilde im Gespräch mit Martin Ganzkow
Bild von Paul Wilde - Eins ums Andere

„Nackte Männer in Hosen“

April 2022

Paul Wilde hat eine flotte Malweise und einen lockeren Pinselstrich. Ihn interessiert nicht ein oberflächlicher Realismus und er malt mit der Gelassenheit eines Malers, der schon viel gemalt hat.

Die Farbigkeit seiner Bilder ist homogen und ruhig. Viele Bilder sind hell und pastell, andere von einem deutlichen Kontrast durchzogen. Der Farbauftrag ist lebendig und Vorder- und Hintergrund erscheinen gleichwertig und ohne Trennung.

Die Malerei von Paul Wilde strahlt eine ernste Ruhe aus. Die Kompositionen sind wohl durchdacht, streng und harmonisch.  Paul Wilde liebt die Wiederholung, er widmet sich eines Themas, das er in vielen Variationen durcharbeitet. Dadurch entsteht keine Langeweile, sondern Serien, die die Intensität eines jeden Bildes steigern.

In dieser Form könnte Paul Wilde auch abstrakt arbeiten. Tut er aber nicht. Ihn beschäftigen biblische Themen, Menschen, Körper und Charaktere, die gegen den Strom schwimmen. Wie zum Beispiel der Narr Till Eulenspiegel, der in der Ausstellung von 2016 im Glashaus in Abgründe schaute.

Doch was ist auf diesen Bildern in dieser Ausstellung zu sehen? Männliche Akte? Nein, oder höchstens zwei, die man so bezeichnen kann, weil sie die den Ausdruck des nackten Körpers zum Thema haben. Alle anderen Bilder zeigen nackte Männer in Hosen und deren Inhalt.

Die durch die Hose versteckten Geschlechtsteile des Mannes stehen im Mittelpunkt fast eines jeden Bildes. Die Köpfe verschwinden, denn Kontrolle spielt keine Rolle. Es gibt geschlossene, halbgeöffnete und heruntergezogene Hosen, stark ausgebeulte Hosen und die Hand, die tief in der Hose verschwindet.

Es ist ja nichts dabei, wenn Männer mit ihrem Glied spielen, aber muss man das auch zeigen? Nein, man muss nicht, sagt Paul Wilde, aber man kann. Und das führt zu Irritationen. Welchen medialen Skandal hat es gegeben, als Jogi Löw in seiner Unterhose kramte und die Finger danach an seine Nase hielt. Gefilmt bei dem Fußballländerspiel gegen die Ukraine und von einem entsetzten Millionenpublikum in vielen Wiederholungen beobachtet. Nein, so etwas tut ein Gentleman nicht.

Paul Wilde, der Maler, will auch kein Gentleman sein. Ihn reizt die Provokation, die ganz sacht daherkommt. Der sexualisierte weiblich Körper ist Standard, der männliche und zumal die primären männlichen Geschlechtsteile nicht. Georg Baselitz sorgte 1963 mit seinem Bild „Die große Nacht im Eimer“ für die Beschlagnahmung seiner Bilder durch die Staatsanwaltschaft in Berlin und für große Aufmerksamkeit. Der Kunsthistoriker Klaus Gallwitz beschrieb das Bild so: „Die Gestalt, die vom Körperbau an einen Jungen  erinnert, steht mit gespreizten Beinen da und hält mit der linken Hand einen überdimensionierten Phallus.

Auf den Bildern von Paul Wilde ist kein Penis zu sehen, bis auf ein Bild mit einer kleinen weißen länglichen Fläche, die halb von der geöffneten Hose verdeckt bleibt. Die provokante Haltung mit der Konzentration auf das nicht sichtbare männliche Glied kommt ruhig, gelassen und selbstverständlich daher. Mit der ständigen Wiederholung des Motivs lässt uns Paul Wilde nicht entweichen. Seine Bilder sagen, schau her, hier bin ich – selbstvergessen mit meiner Sexualität und mit meiner Lust an mir.

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