Das sprengt den Rahmen!
September 2025
Was für ein Kontrast! In der Doppelausstellung von Kathrin Krumbein und NK Doege in der Galerie im Stammelbachspeicher gelangt man aus einer überbordenden Fülle in die Stille von NK Doeges Arbeiten im Obergeschoss. Viel Platz, viel Raum und ein Werk, das die Grenzen der traditionellen Malerei sprengt.
Das fängt schon bei den Materialen an: Die Künstlerin aus Leipzig ersetzt die Leinwand durch Plastik, Latex, Textilfaser, Folie, Papier, Stoff, Kupfer- und Stahlblech. Die Untergründe werden mit Lack und Öl behandelt und aus ihrer Vielschichtigkeit erwacht die lebendige Schönheit des Materials. Transparenz, Überlagerungen und Spiegelungen schaffen eine schier endlose Struktur. Hier ist Magie im Spiel, ein Spiel voller Zufall und strenger Gestaltung.
Exemplarisch für NK Doeges Arbeiten stehen 3 Bilder am Anfang der Ausstellung. Alle bedienen sich noch der Vorgabe eines Rahmens für die Malerei. Aber sie bedienen sich nur bei ihm: In einem klobigen alten Holzrahmen mit rostigen Winkeln entfalten sich pastellene Folien wie Backpapier oder eine kaputte Jalousie. („White Series Part III“). Das Bild besitzt die morbide Schönheit eines „Lost Place“, greift in den Raum, wird aber noch durch den Rahmen nach außen begrenzt.
Anders dagegen im Bild „Sad Blue“. In dem gleichen alten Rahmen voller Zeitspuren weht ein durchscheinender Vorhang von grün-blauer Farbigkeit aus ihm heraus. Ein fest gehaltener Moment voller Bewegung und Leichtigkeit. Im dritten Bild „Blue Strokes“ ist ein dünner leerer Holzrahmen nur noch Mittel zum Zweck. Er dient als versteckte Aufhängung für Streifen aus Plastik, die wie ein Wasserfall aus zerlaufenden Farben nach unten fließen.
In den Ausstellungsräumen ist es auffallend ruhig. Das liegt zum einen an einer sparsamen Hängung mit viel weißer Fläche zwischen den Objekten, vor allem aber an deren Komposition, die zu Stille und Konzentration einlädt. So wie in dem Bild „Copper Sky“, in dem sich zwei bemalte Plastikfolien überlagern. Die obere dunkelblau glänzend, die untere hellgrün gesprenkelt. Zwei durchscheinende Schichten und ein Horizont ergeben die ultimative Abstraktion einer Landschaft. Eine Landschaft voller Einfachheit und Tiefe, da wo nichts ist und nichts stört.
Das Spiel mit Licht und Transparenz erhöht NK Doege in ihren mit Folien bespannten Kästen, die von innen künstlich beleuchtet werden. Die Farben wirken wie Lichtfilter, deren Zauber sich erst dann richtig entfaltet, wenn man sie ein- und ausschaltet. Im kalten Zustand ohne Beleuchtung sieht man eine einheitlich dunkle, tief strukturierte Oberfläche, wie der Blick in eine geheimnisvolle Höhle. Mit dem Licht verwandelt sich das Objekt zu einer glühenden Struktur voller Schichten, die die Sinne verzaubern. „Take me to the Place I love“ ist dafür genau der richtige Titel.
Die Arbeiten von NK Doege sind die Kombination aus Strenge und Verspieltheit. Wer sagt denn zum Beispiel, dass man ein Bild nicht falten kann? Sie benutzt den Zufall und das Eigenleben der Materialen und unterwirft sie einer festen Komposition. Zwischen den zwei Polen von Wille und Willkürlichkeit entstehen Werke voller Ruhe, Stille und Sinnlichkeit.





