Mitten drin
Mai 2017
Pralle Brüste, die wie Perlen an einer Kette hängen. Eine träumende Braut voller Seligkeit. Eine quirlige Ursuppe, aus der die Kraft erwächst. Eine träumende Braut voller Seligkeit. Ein röhrender Hirsch als Vereinigung von Mensch und Tier. Zwei nackte Frauen, die einen Clown bezirzen. Die Fabel von der Schönen und dem Biest, in der die Schöne zum Biest wird. Die Blaue Mauritius im königlichen Gewand der Nacktheit. Die starre Maske als Begegnung mit der gnadenlosen Unendlichkeit. Das sind Themen der neuen Ausstellung von Hans-Jürgen Schmejkal im Derneburger Glashaus.
Hans-Jürgen Schmejkal ist ein Maler voller Bedeutung. Was es in seiner Welt nicht gibt, sind Bilder „ohne Titel“, die so abstrakt daherkommen, dass sie nichts bedeuten. Er mischt sich ein, nimmt Stellung und malt seine künstlerische Lebenshaltung immer und immer wieder auf die große Leinwand.
Mit 76 Jahren blickt Hans-Jürgen Schmejkal auf ein aufregendes Leben zurück. Er wurde in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, geboren und schleppte sein Kriegstrauma von der Flucht zur Bierbaumsmühle in Heere mit durch sein Leben. In der 68er Zeit lebte er wild in Berlin, verweigerte den erlernten Beruf des Architekten und reiste lieber nach Asien, um sich dort selbst zu finden. Im Berliner Rotlichtmilieu arbeitete er als blondgelockter Kellner und kehrte nach 2 Ehen und 3 Söhnen nach Holle zurück, wo er als Schnapsbrenner den Astenbecker braute und sich zum Heilpraktiker ausbilden ließ. Weil er nicht anders kann, begleitet Hans-Jürgen Schmejkal sein Leben in Wort und Bild.
Von diesen Erfahrungen und einer schier unerschöpflichen inneren Bilderquelle erzählt auch diese Ausstellung im Glashaus. Weil er so gerne nackte Frauen malt, stehen gleich zwei von ihnen im Mittelpunkt: Die eine Frau mit dem Titel „still“ streicht sich mit beiden Händen durchs Haar und stellt ihre Nacktheit vor einem tief-roten Hintergrund in stiller Natürlichkeit dar. Auf dem Bild „offen-bar“ zeigt eine andere Frau ihren Körper in einem Strom von Farben und offenbart ihr Begehren. Daneben hängt ein mit dicken Strichen gemalter Clown in bunten Farben und geschlossenen Augen, ein „dummer August“, freundlich und hilflos. Träumt er von den beiden Frauen? Wendet er sich ihnen zu oder von ihnen ab? Bleibt er bei sich oder greift er zu? Es scheint, er weiß es selbst nicht! Er weiß nicht, was passieren wird, er hat keinen Plan, er spielt nicht den Meister.
Der Clown ist auch Sinnbild für Hans-Jürgen Schmejkals Arbeiten. Nur durch fröhliches Scheitern und verletzliche Offenheit kommt er weiter. Er überlässt sich dem, was kommt, er malt ohne zu wissen wohin, er steht nicht drüber sondern mitten drin.



