Lichtfeuerwerk
Juli/Augst 2008
Es gibt Maler, die malen nur das Schöne, es gibt andere, die suchen immer das Hässliche. Hans-Jürgen Schmejkal aus Derneburg, der in diesem Monat im Glashaus ausstellt, macht beides: Sein künstlerischer Blick gilt sowohl dem grausam Zerstörerischen als auch dem zarten Poetischen.
Schmejkal ist der Wilde aus dem Nettetal. Seine Bilder sind expressiv, farbenfroh und mit großzügigem Pinselstrich gemalt und gekleckst. Viele seiner Bilder stecken voll praller Erotik: Nackte Frauen verkörpern Lust, Energie und Leidenschaft. Schmejkal liebt auch die Kontraste. Sein Bild „Mädchen“ mit spitzem Busen und herausforderndem Blick hängt gleich neben dem barock gemalten Bild einer keuschen Frau. „Sophia, Europa Remix“ heißt diese freie Kopie eines Ausschnittes aus Michelangelos „Erschaffung des Adam“, wo die Frau noch unter dem roten Mantel Gottes neugierig auf ihren zukünftigen Mann Adam schaut. Die Frau als Hure und als Heilige ist das Thema, das Schmejkal noch weitertreibt.
Die Frau ist für den Maler die Muse, die Quelle der Inspiration. Schmejkal wird ewig vom Weiblichen gelockt, das nicht nur Schönheit und Lust verspricht, sondern auch Leben spendet und Tod verheißt. Kali ist eine der Lieblingsfiguren des Malers, die indische Göttin des Todes und der Zerstörung, aber auch der Erneuerung. Um eine Todeserfahrung geht es auch in dem Bild „Mensch am Tropf“.
Ein Kranker im weißen OP-Hemd wird von Schläuchen und Kanülen durchzogen. Wie Jesus hat er Male an Händen und Füßen. Dieser Mensch ist vollkommen ausgeliefert, und um ihn herum tobt eine irre Szene voller Chaos und blutiger Erotik. In diesem „nicht schönen“ Bild verarbeitet der Maler seine Erlebnisse einer Noteinlieferung in das Krankenhaus.
In dem Bild „Der König der Braunülen“ hat sich der Künstler aus dieser machtlosen und ungeschützten Situation befreit. Die zuvor vernichtenden Krankenhausutensilien werden jetzt zum Kopf- und Nasenschmuck. Wie ein Indianer ruht dieser Mensch in seiner Mitte und kann dem Schicksal gelassen in das Auge blicken.
„In der Ruhe liegt die Kraft“, sagt ein altes Sprichwort, das auch für Schmejkal gilt. Er hat den wilden Blick, aber auch die nach innen gerichtete meditative Wahrnehmung. Und ohne das eine wäre das andere nicht möglich. So entstehen immer wieder wunderschöne Buddhas und Buddhinen voller stiller Anmut und strahlender Eleganz. In „Buddha/Natur“ ist auf die rote Figur als zusätzliche Schicht Goldfarbe aufgetragen, was bei wechselnden Lichtverhältnissen zu einem Feuerwerk aus Licht und Lebendigkeit führt.



