Die Kindheit sollte strahlend und frei sein
September 2007
Die Welt der Kinder und Jugendlichen ist für den Erwachsenen meist weit entfernt. Der Maler Elmar Busche aus Hildesheim holt die Zeit, an die sich einige gern, andere ungern erinnern, mit seinen Bildern im Glashaus zurück. „Erwach(s)en“ heißt seine Bildershow und erzählt die Welt aus der Sicht der Kinder.
Kein Zweifel, der Maler hat selbst Kinder und liebt Kinder. Das wird bei einem ersten Blick auf die Ausstellung schnell deutlich. Radikal nimmt Elmar Busche die Position von Kindern und Jugendlichen ein und schildert die Welt aus ihrer Sicht. Seine Bilder erzählen Geschichten vom Glück der Kindheit, von den Stürmen der Gefühle und der Magie kindlicher Welten.
Auf den großformatigen Bildern von Elmar Busche geht es recht bunt und wild zu. Einzelne Szenen sind wie Collagen zusammengesetzt und erzählen eindeutige Geschichten. Schnell wird klar, dieser Maler hat eine Botschaft, die er in schönen und ergreifenden Bildern erzählen will. Die Titel seiner Bilder ergeben von 1 bis 14 gelesen eine eigene Geschichte des Erwachsenwerdens. Los geht es mit „Dies sollte meine Welt sein“, über „und ich bin erwacht“ und „Wachsen ist aufregend“ und „ich möchte geküsst werden“ bis zum Schlussbild mit dem Titel „weil Kindheit strahlend und frei sein sollte“.
Allein der Konjunktiv vermittelt, dass sich der Maler mit dem Darstellung einer heilen und nährenden Kindheit in einem Wunschbild befindet, die die wenigsten von uns erlebt haben, nach der sich alle aber sehnen und viele versuchen, sie ihren eigenen Kindern zu geben. „Und beschütze mich“ heißt ein Bild in dem ein goldener Engel strahlend schön vor einer in Brauntönen gemalten Mutter steht, die ihr Kind auf dem Schoß hält. Wovor geschützt werden soll, wird auf einem anderen Bild klar. „DON’T“ heißt es in Großbuchstaben und zeigt Gewalt, ein Kind mit Pistole, tote Kinder, tote Tiere und ein Blutbeutel, der einem lebenden Herzen ähnelt, an dem ein Gentechniker sich zu schaffen macht.
Diesen plakativen Bildern stehen Gemälde gegenüber, die sich sensibel in kindlichen Welten einfühlen. Dass das Erwachsen werden aufregend ist, zeigt ein Bild aus sich wild auftürmenden blaugrünen Wellen vor einem schwarzen Hintergrund. Wer sich hier befindet, weiß nicht wo und wie er ankommt, sondern ist mit sich selbst und seiner stürmischen Welt beschäftigt. Von unstillbarer Sehnsucht erzählt das Bild „and I’m longing for love“ auf dem ein Teenager, seinen Kopf auf eine Hand gestützt, ins Leere schaut. Über ihm in konzentrischen Kreisen schwebt ein goldener Fisch und in großen Lettern „here ist my love“. Der erste Kuss spielt im Leben der Heranwachsenden eine große Rolle und wird sehnsuchtsvoll erwartet. So schauen auf dem Bild „I want to be kissed“ 4 Köpfe erwartungsvoll mit groß geöffneten Augen nach oben, 2 Kopfpaare verharren in einem innigen Kuss. Die wilde und wenig begrenzende Malweise spiegelt das Gefühlschaos der jugendlichen Personen wider.
Elmar Busche gelingt es mit seiner Ausstellung die Gefühle der eigenen Kindheit wieder wachzurufen. Seine Bilder sind ein Appell an die Erfüllung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die allzu oft von den Interessen der Erwachsenen vernachlässigt werden.



