Einfach tierisch gut

August 2007

In Deutschland gibt es über eine Million Pferde und ebenso viele Reiter. Das Pferd ist umsatzträchtiges Thema im Sport, in der Freizeitindustrie und in der Kunst. Fast in jeder Stadt steht ein Reiterstandbild und immer mehr Besitzer wünschen sich ihren Liebling in Öl auf Leinwand. Jetzt ist auch der Künstler Hans-Jürgen Schmejkal auf das Pferd gekommen. Seine neue Ausstellung heißt „Der Mondflüsterer“ und ist im August im Derneburger Glashaus zu sehen.

Auf der Einladungskarte tummeln sich zart gezeichnete Pferde auf einer Wiese, doch wer eine Fortsetzung von romantischer Pferdeliebhaberei in der Ausstellung hofft, der wird enttäuscht. Hier geht es wild zu. Das Pferd wird bei Hans-Jürgen Schmejkal zum Tier, was es ja nun auch ist. Den Künstler interessiert das animalisch Wilde und in Verbindung mit Frauen auch das Erotische.

90 % alle Reiterin sind Frauen. Reiten ist ein Frauensport. Aus dieser Tatsache macht Hans-Jürgen Schmejkal in seinen Bildern eine innig erotische Beziehung. Frau und Pferd sind nackt, die eine streichelt und pflegt das Tier, die andere reitet mit um den Hals geschlungen Armen auf ihm. „Stillwild“ heißen die Damen, die mit geschlossenen Augen in sich ruhen aber voll praller Erotik stecken. Doch das ist nur der Anfang der Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Das zentrale Bild dieser Ausstellung ist das große Gemälde „ab gehts“. Zwei riesige Pferdemonster durchpflügen das Bild in einer Diagonalen von links oben nach rechts unten. Das Gespann mit wildem Blick gleicht zwei Raubtieren, die im rasenden und alles verschlingenden Galopp über einen großen Haufen bleicher Kochen springen und auch vor einem abgeschlagenen Pferdekopf nicht Halt machen. Auf diesen Bestien sitzt ein kleiner schwarzer Reiter mit erhobenen Armen ohne sich irgendwo festzuhalten. Ein Alptraum für jeden Reiter und ein Traum von einem Bild, das mit voller Kraft, Dynamik, Gewalt und Leidenschaft gemalt ist. Das Thema Ross und Reiter kehrt Hans-Jürgen Schmejkal komplett um. Da ist keiner, der reitet und bestimmt wo es lang geht. Da brechen entfesselte Urgewalten los und der Mensch wird zum hilflosen Spielball viel größerer Mächte. Doch statt in Angst und Panik zu verfallen zeigt der Künstler, dass es im Anblick von Unausweichlichkeit auch mit mit Staunen und Vertrauen weiter gehen kann.

Fast alle Pferdebilder machen das Pferd zum wilden Tier. Das Bild „ride on“ zeigt ein Urpferd, ein mit gewaltigen Beinen um sich schlagendes auf den Betrachter zulaufendes Vieh mit Dinosaurierkopf, darauf eine Figur mit Flügeln. Auch das Thema Reiterstandbild wird vom Künstler aufgegriffen: „Ernst August auf Herrmann“ so der Titel des Bildes auf dem das Pferd zurückschlägt. Kein Herrscherbild, auf dem der Triumphator auf einem steigenden Pferd seine Macht demonstriert. Ernst August mit Krone und besporten Stiefeln rutscht und fällt von einem Pferd, das mit wildem Blick und langer roter Zunge dem König seine allzumenschlichen Grenzen aufzeigt.

Es fehlt natürlich auch nicht der „Pferdeflüsterer“. Dieser Inbegriff des von allen Frauen geliebten Pferdeverstehers wird von Hans-Jürgen Schmejkal ironisch auf die Schippe genommen: Ein nackter zarter Frauenkörper auf Händen und Knien kriechend trägt einen dunklen Pferdekopf. Eine Art umgedrehter weiblicher Zentaur. Davor steht ein roter nackter Mann mit Peitsche und einem aufgerichteten Penis wie ein Revolver. Soviel versteht der Betrachter: ums Verstehen geht es hier nicht.

Die Ausstellung von Hans-Jürgen Schmejkal rund um Frau und Pferd ist eine wohltuend neue Betrachtungsweise einer weit verbreiteten Beziehung. Einfach tierisch gut.

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