Stimmungsvolle Fotos und lebendige Skulptur

Februar 1998

Der eine bringt in einem kurzen Moment flüchtige Bilder auf das Papier, und der andere meißelt seine Werke in langer Arbeit in Stein. Die Februar-Ausstellung im Glashaus zeigt zwei ganz unterschiedliche Techniken von zwei Holler Künstlern: Hans Georg Aue stellt unter dem Titel „Unsere Gegend“ Fotografien aus, und Horst Kapphahn zeigt Skulpturen, „aus Stein geboren“.

Hans Georg Aue ist weitgereist, aber das merkt man seinen Bildern nicht an. Seine Fotos erzählen von Heimatverbundenheit und einer großen fotografischen Kenntnis. Hans Georg Aue zeigt einen unspektakulären Blick auf Holle, denn nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten sind sein Thema, sondern Rübenberge, Mohnfelder, frisch gesäte Äcker, Bäume, Seerosen, Haustüren und Pferde. Die Absicht dieser Bilder ist es, die natürliche Schönheit der einfachen Dinge hervorzuheben. Dabei gelingen Hans Georg Aue sehr stimmungsvolle Fotos, denn er hat die nötige Geduld, um auf den richtigen Augenblick zu waren. Er weiß, wann das Licht günstig ist, um die Farbe und Struktur einer Hauswand hervorzuheben. Er scheut sich nicht, bei Regen, Schnee und Nebel die Kamera hervorzuholen, um besondere Sichtweisen einzufangen. Er mag aber auch fotografische Experimente, wie die verfremdeten Landschaften zeigen. Ein und dasselbe Bild bekommt durch die digitale Nachbearbeitung am Computer ganz neue Strukturen und Farben, und so entsteht eine Serie, die zeigt, welche Gestaltungsmöglichkeiten die moderne Fotografie inzwischen besitzt. Hans Georg Aue fotografiert mit großer Leidenschaft schon seit Jahrzehnten. Die ausgestellten Arbeiten machen nur einen sehr kleinen Teil seines fotografischen Gesamtwerkes aus, für das er schon mehrere Auszeichnungen erhalten hat.

Schon vor dem Glashaus begrüßen den Besucher 3 Figuren des Bildhauers Horst Kapphahn. Durch rhythmisch geschwungenen Formen wirkt der harte Stein weich und anschmiegsam. Die Anordnung der Figuren lässt den Eindruck von einem Dialog entstehen, und das an sich tote Material wird lebendig. Horst Kapphan hat viel Respekt vor dem von ihm bearbeiteten Material. Er lässt dem Stein sein Eigenleben, indem er den ursprünglichen Charakter des Materials bewahrt. So zum Beispiel in seinen Schalen, deren Außenflächen nahezu unbehauen bleiben. Innen aber wölbt sich eine feine geschliffene Rundung, die von der harten Schale beschützt wird. Das gleiche Prinzip von „bearbeitet-unbearbeitet“ findet sich in den runden Objekten wieder. Aus dem unbearbeiteten Stein erhebt sich eine Art Kamm, fein bearbeitet und geschliffen, und dieser Kontrast aus „naturbelassen“ und „gestaltet“ macht den Stein lebendig und geheimnisvoll. In den Arbeiten von Horst Kapphahn zeigt sich ein respektvoller Umgang mit der Natur, der nicht mit aller Macht seinen Willen auch gegen härteste Materialien durchsetzt. Sein Ansatz ist vielmehr ökologisch orientiert und lässt den natürlichen Gegebenheiten ihren eigenen Platz. Ein künstlerisches Prinzip, das sich auch auf die Gestaltung unserer Welt sehr gut übertragen lässt.

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