Archetypische Weiblichkeit

März 2003

Was ist das Gemeinsame zwischen der Ausstellung von Elke Fech „Anima(l)“ im Glashaus, dem Buch „Die Wilde 13“ von Michael Ende und der Wettervorhersage? Was haben 13 Aspekte des Weiblichen mit der Männergeschichte von Jim Knopf, Lukas dem Lokomotivführer und den 13 wilden Seeräubern und dann auch noch mit Jörg Kachelmann zu tun?

Eine überraschende Wendung in der Geschichte von Michael Ende besteht darin, dass die „Wilde 13“ gar nicht 13 sind, sondern nur 12. Einfach weil die Seeräuber falsch gezählt haben. In der Ausstellung von Elke Fech hängen 13 Bilder, obwohl es eigentlich nur 12 sein dürften. Aber nicht weil die Künstlerin nicht zählen kann, sondern weil sie nach der Vorlage des Buches „Das Maß aller Dinge“ von Angelika Aliti die 12 Sternzeichen in 13 Tierkreiszeichen umdeutet. Aus den fast ausschließlich männlichen Sternzeichen wie „Der Löwe“, „Der Stier“ oder „Der Skorpion“ werden bei  Aliti „Die Amazone“, „Die Bäuerin“, „Die Denkerin“. Zu den weiblichen archetypischen Zeichen setzt Aliti noch ein dreizehntes hinzu. Die wilde Frau. Auf dem Bild von Elke Fech eine Frau, die ein unbändiges Stachelschwein reitet oder gerade aus ihrem Schoß entlässt.

Weiblichkeit ist das Thema von Elke Fech. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich immer wieder mit der Unterdrückung der Frau in unserer Gesellschaft. Elke Fech tauscht die typischen Männer- und Frauenrollen in ihren Bildern aus und hängt zum Beispiel Christa ans Kreuz, und prompt wird das Bild aus dem bischöflichen Rathaus der Stadt Hildesheim entfernt. Elke Fechs Mittel zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, die neuerdings „Gender Mainstream“ genannt wird, ist das Mittel der Umdeutung. In dem einen Fall tauscht sie männliche und weibliche Rollen einfach aus, in der Ausstellung „Anima(l)“ gibt sie den weiblichen Tierkreiszeichen von Angelika Aliti Form und Ausdruck.

Ihre 13 Frauengestalten sind selbstbewusst und in Harmonie mit sich selbst und dem Universum. Die Frauen leben in Einklang mit ihrer Umgebung, sie kämpfen nicht, sie schaffen keine neue Welt. Die Frauen schöpfen ihre Kraft aus der Verbundenheit mit ihrem Tier. Die Amazone mit dem Pferd, die Bäuerin mit der Kuh, und die Denkerin mit der Ratte. Das Tier wird nicht dressiert oder ihren Zwecken untergeordnet, sondern Frau und Tier bilden eine sich ergänzende Einheit von der die Kraft ausgeht.

Was aber hat die Ausstellung mit der Wettervorhersage zu tun? Hier passierte vor kurzem etwas, was genau in das künstlerische Konzept von Elke Fech passt. Tiefdruckgebiete hatten bis dahin immer weibliche, Hochdruckgebiete männliche Vornamen. Zur besseren Unterscheidung, versteht sich. Nach einer harten Diskussion fingen einige Wettervorhersagen an, auch Schlechtwettergebiete mit Lothar, Konrad oder Bernd anzusprechen. Im Glashaus scheint jetzt das Hoch Elke.