Augen, die nicht blinzeln können
Oktober 2014
Die Malerin Elisabeth Kopjar aus Sarstedt malt Traumbilder voller Geschichten, die tief in die Welt hineinführen. Ihr Thema ist der Mensch, traumhaft verloren, der mit weit geöffneten Augen seinem Schicksal begegnet. Ihre Bilder sind detailreich und realistisch gemalt, die Flächen fein modelliert und die kleinen Strukturen mit einem Ein-Haar-Pinsel gestaltet. Die Malerei von Elisabeth Kopjar bewegt sich in der Tradition der Surrealisten und der Wiener Schule des Phantastischen Realismus und wird zurzeit im Glashaus ausgestellt.
Das Surreale und Traumhafte hält mit vielen Details Einzug in die reich ausgestatteten Bilder: Landschaften formen sich zu geometrischen Schachbrettmustern, ein Baum wächst in einem Boot, eine runde Kugel ersetzt einen Menschenkopf, 2 Paar Augen finden sich in einem Gesicht wieder, Körper zerbröseln, Haare bilden Landschaften, Buchstaben und Sprache fließen durch das Bild, in den Gesichtern fehlen die Münder, die Hände sind seltsam von den Körpern isoliert, negative Räume werden zu Vexierspiegeln und eine Kröte dient als Kettenschmuck. Und dann ist da immer wieder dieser große, weit geöffnete Blick der Augen, die scheinbar nicht blinzeln können.
Elisabeth Kopjar thematisiert den Menschen in ausweglosen Situationen, in hoffnungsvollen Stimmungen, in Träumen in denen er fliegen kann und in Begegnungen, in denen er mit anderen verschmilzt. In den Bildern von Elisbath Kopjar überlagern sich die Perspektiven von Nah und Fern zu einer Einheit. Alles ist gleich bedeutend und bedeutungsvoll. Sie malt Träume und manchmal auch Alpträume, die frösteln lassen: Ein Frau mit rot geränderten Augen wird von hinten von den menschlichen Pfoten einer Ratte umfasst. Dazu schreien zwei übergroße Hühner aus dem Dunkel ins Bild. Einer kindliche Puppengestalt mit kahlem Kopf wachsen Finger über den Mund und machen es stumm.
Im Gegensatz dazu erfüllen in dem Bild „Tragweite“ Fruchtbarkeit und blühendes Leben die Luft. Eine schwangere Frau umfasst einen Baum, der sich wie eine Säule voller Schlagen in die Höhe schwingt. Mit einer Hand hält die Frau einen imaginären Rucksack, der sich aus 4 prallen Äpfeln hinter ihr aufreiht. Auch wenn sich der Körper der Schwangeren an einer Stelle etwas aufzulösen beginnt, strahlt diese Situation traumhafte Zuversicht aus.
Das Bild „Blinde Passagiere“ beschäftigt sich mit einem aktuellen Thema, das menschliche Abgründe offenbart, die wir täglich tolerieren. Die Köpfe eines Mannes und einer Frau mit Sonnenbrille, Seidenschal und Krawatte ragen über die Reling eines Schiffes hinaus, dessen großer Bug strahlend goldgelb leuchtet. Unter der Wasseroberfläche taucht das Schiff in ein schwarzdunkles Blau, aus dem sich eine lange Reihe von Köpfen mit weit aufgerissenen Augen heraus schält. In diesem Bild hält uns Elisabeth Kopjar den Spiegel vor und zeigt das Nebeneinander von Reichtum und Grausamkeit. Kein Alptraum, sondern reale Wirklichkeit, die tagtäglich im Mittelmeer zwischen Afrika und Europa passiert.




