Schwarz-Weiß und ganz nah

Oktober 2010

Was ist für Sie Glück, was erwarten Sie vom Leben und wovon träumen Sie? Diese drei Fragen stellt die Fotografin Elisabeth Heinemann aus Magdeburg bekannten Künstlern. Doch zuerst fragt sie: „Kann ich ein Foto von Ihnen machen?“ Die Ergebnisse dieses Projektes sind im Oktober im Glashaus in der Ausstellung „…außer gewöhnlich – Künstlerportraits“ zu sehen.

Elisabeth Heinemann ist Anhängerin der analogen Schwarz-Weiß Fotografie. In den Zeiten der digitalen Bilderflut ein wohltuender Anachronismus, denn von ihren mit viel Sorgfalt und Zeitaufwand gemachten Bildern geht eine Ruhe aus, die ansteckend wirkt und die Person in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Im Glashaus schauen den Besucher 28 berühmte Persönlichkeiten an: Hannah Schygulla, Günter Grass, Reinhold Messner, Markus Lüpertz, Egon Bahr und viele mehr.

Elisabeth Heinemann ist den berühmten Persönlichkeiten ganz nah gerückt. Sie schafft in ihren Fotos die Distanz ab, die die Berühmtheit mit sich bringen könnte und zeigt die Portraitierten von einer ganz persönlichen Seite.

Elisabeth Heinemann fotografiert mit 2 analogen Kameras, die eine auf einem Stativ und einem feinkörnigen Film, die andere mit einem sehr lichtempfindlichen grobkörnigen Film. So gibt es Aufnahmen, die durch feinste Graustufungen und eine bestechende Schärfe beeindrucken, andere die in bewegten Situationen fotografiert wurden und eine grobkörnige Struktur aufweisen.

Die Kunst der Portraitfotografie besteht darin, eine gute Atmosphäre für die Aufnahme zu schaffen. Elisabeth Heinemann gelingt es in ihren Aufnahmen immer wieder eine sehr intime Stimmung herzustellen. Das, was wir auf den Fotos sehen, ist nur ein kurzer Augenblick eines langen Prozesses, der mit der Anfrage für eine Aufnahme beginnt. Dann sind da ja auch noch die 3 Fragen nach dem Glück, dem Leben und den Träumen. Die Personen auf den Fotos scheinen während der Aufnahme über die Fragen nachzudenken oder mit ihrer Haltung schon eine Antwort zu geben. Sie wirken alle sehr ruhig, unaufgeregt, nachdenklich und still. Sie haben meist die Augen geöffnet und schauen den Betrachter an.

Die Reduktion auf das Wesentliche des Gesichts und der Haltung gelingt Elisabeth Heinemann auch durch die Verwendung eines schwarzen Hintergrundes. Wo dieser fehlt, geben einzelne Gegenstände wie Requisiten Informationen über den Portraitierten preis. Alle Fotos sind auf das Wesentliche reduziert und konzentrieren sich auf den Ausdruck, der durch die Schwarz-Weiß Fotografie erhöht wird.

Die Künstlerportraits von Elisabeth Heinemann sind ein großes Projekt. Im Glashaus hängt eine Auswahl von 28 Bildern aus einer Reihe von hunderten von Fotografien. Das Projekt begann 2005 und ist noch nicht vollendet. Ein großes Vorbild ist der Fotograf August Sander, der mit seiner Reihe „Menschen des 20. Jahrhunderts“ nicht weniger als eine eine Katalogisierung des deutschen Volkes in Angriff genommen hat. Elisabeth Heinemann hat sich dem gleichen ästhetischen Anspruch wie August Sander verschrieben, ihr Thema sind jedoch nicht die gewöhnlichen Menschen, sondern die außergewöhnlichen Künstler unserer heutigen Zeit, die sie in ausgezeichneten und einfühlsamen Bildern dokumentiert.

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