Angela Krebs-Mildner

Weichheit und Stärke

August 2010

Was braucht man um eine Landschaft zu malen? Etwas Farbe, einige Pinselstriche und eine Horizontlinie, würde Angela Krebs-Mildner aus Hannover sagen, die im August im Derneburger Glashaus ihre Gemälde zeigt. Ihre abstrakten Bilder haben immer einen eindeutigen Bezug zur Natur und begnügen sich mit einfachen malerischen Mitteln.

Zunächst könnte man ihre Bilder für reine Farbkompositionen halten. Geschwungene Pinselstriche, verlaufende Farben und die Abwesenheit von geraden Linien bestimmen ihre Gemälde, die immer „ohne Titel“ auskommen. Ihre Bilder erzählen nicht nur von „inneren Welten“, sondern besitzen konkrete Bezüge zur äußeren Wirklichkeit. Die Natur ist das Vorbild von Angela Krebs-Mildner, deren vielfältige Erscheinungen sie in ihren Bildern widerspiegelt.

Dabei steht die Künstlerin nicht mit der Staffelei vor einem See, sondern bleibt in ihrem Atelier ganz ihren eigenen Gefühlen und Eindrücken überlassen. Sie malt intuitiv, das heißt ohne Plan und lässt die Bilder aus Zufälligkeiten und Bewegungsimpulsen entstehen. Sie verwandelt dabei die äußeren Eindrücke von Naturerlebnissen zu konzentrierten Bilderlebnissen voller Farbe und Harmonie.

Auf drei Bilden thematisiert sie zum Beispiel die Einheit von Luft und Wasser. Zwei Flächen, durch eine horizontale Linie getrennt: einmal mit roten, dynamischen Pinselstrichen und schwarzen Flecken, die wie ein Schwarm durch den Himmel fliegen und sich im Wasser spiegeln. Dann ein ganz ruhiges Bild: ein fast weißer Himmel über über einem hellen Meer, das von blauen und grünen Schlieren durchzogen wird. Und dann eine ganz aufgewühlte Stimmung, dunkle, blaue und violette Flächen durchziehen das ganze Bild. Es gibt kaum eine Trennung von oben und unten und aus der Tiefe lösen sich dunkle Strudel, die an die Oberfläche steigen.

Auf einem anderen Bild herrscht die Farbe grün vor. Eine blaue Horizontlinie teilt das Bild in Himmel und Erde. Gelbe, orangene und grüne Flächen werden durch dünne Linien getrennt und vermitteln den Eindruck von Feldern. Im Himmel spiegeln sich die Grünwerte mit senkrecht nach oben steigenden Linien. Auf der Horizontlinie befinden sich kleine rote Flächen, die man als Häuser wahrnehmen kann und die die riesige Dimension und unermessliche Weite dieser Welt deutlich machen.

Ein beliebtes Motiv von Angela Krebs-Mildner sind Gräser. Gräser im Wind, Gräser im Sonnenlicht oder ein radikaler Ausschnitt von grün-gelben Stängeln mit weichen fließenden Bewegungen vor einem blau-violetten Hintergrund. Die Gräser stehen für die Grundhaltung der Künstlerin: wie das Gras sich vor dem Sturm biegt und nachgibt, so vermitteln auch ihre Bilder gleichzeitig das Gefühl von Weichheit und Stärke.