Eine Welt voll unendlicher Möglichkeiten

August 1996

Selten hat eine Ausstellung im Glashaus die Besucher in so ferne Welten entführt, wie die von Andrea Rausch. In Ihren Bildern ist es möglich, in fremde Welten zu reisen, in denen ganz andere Naturgesetze herrschen als hier auf der Erde. Wir kennen ja alle die Science Fiktion Filme wie Startreck, Krieg der Sterne, usw. Neben der spannenden Handlung faszinieren in diesen Filmen ja auch die außerirdischen Welten. Da gibt es dann Menschen mit komischen Falten auf dem Kopf und spitzen Ohren oder affenähnlichen Gesichtszügen. Aber wie armselig ist die Ausstattung und Phantasie in diesen Filmen gegenüber den Bildern von Andrea Rausch. Sie lebt in einer Welt, in der die Kraft des Plutoniums alles möglich macht, was in der normalen Welt nicht möglich ist.

Andrea Rauch malt aber keine Filmkulissen. Ihre Bilder sind keine Hintergründe für eine Handlung, sondern Orte, in den man ganz eintauchen und verschwinden kann. Die fast unheimliche Präsenz dieser Bilder liegt darin, dass Andrea Rausch beim Malen selbst ganz in ihnen versinkt. Alles an den Bildern ist so wirklich, dass man auf ihnen herumspazieren kann wie im heimischen Wohnzimmer. Nur dass jetzt die Seen schräg stehen, sich Kugeln von der Erde lösen und durch die Luft fliegen. Im Café hängt eine fast klassische Landschaft mit Blick unter einem Baum hindurch in die weite wellenförmige Landschaft. Alles ganz normal, wenn nicht der blaue Himmel von einer dichten Struktur weißer Lichter durchzogen würde, eine Art Mondaufgang mit Tausenden von kleinen Sternen.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung stehen vier Bilder, in denen sich eine Landschaft in schwebende Objekte auflöst. Der Blick geht in die grüne Weite von Bergen und Hügeln. Doch was da im blauen Himmel passiert, hält sich an keine irdischen Erfahrungen. Im ersten Bild schweben quadratische Brocken durch die Luft, im zweiten Kugeln und im dritten Ringe. Wasser fließt im Strom oder in Tropfenform vom Himmel bis zur Erde. Andrea Rausch baut in diesen Bildern neue Welten aus saftigem Grün, kräftigem Blau und hier und da ein Häuschen zum Wohnen. Wie groß ihr Wunsch ist, den Zwängen der Schwerkraft und Konventionen zu entfliehen, zeigen auch die Asteroiden-Bilder. Die Asteroiden von Andrea Rausch sind kleine selbständige Welten, auf denen alles zu finden ist, was man zum Leben braucht. So wie die Insel mit türkisklarem Wasser, Palmen, Hütten und Baumhäusern und bunten Büschen. Das ist alles, was Andrea Rausch zum Leben braucht.

Das sind fast paradiesische Zustände, wie sie vielleicht auch Robinson Cruso auf seiner Insel vorgefunden hat. Doch wie Robinson Cruso, lebt Andrea Rausch allein auf ihren Bildern. Es gibt keine Darstellung von anderen Menschen, nicht einmal Freitag ist irgendwo zu finden. Auf einem Bild sieht man eine schemenhafte Person in der Luft in einem Strahlenkranz schwebend. Auf einem Selbstportrait zeigt sich Andrea Rausch als Plutoniumbrocken in einem Chaos.

Der Mangel an menschlichem Kontakt auf den Bildern von Andrea Rausch zeugt von viel Leid, das die Menschen sich gegenseitig zufügen. Der Wunsch nach einer Welt, die unserer eigenen Phantasie unterworfen ist und in der keine fremden Wesen diese Harmonie stören, ist ein Wunsch, den wir alle manchmal haben und den uns Andrea Rausch malend vor Augen führt. Und es tut gut, sich diese Welt nicht so beschränkt, sondern voll unendlicher Möglichkeiten vorzustellen.

Andrea Rausch

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