Die erotische Wirkung von Sahnetörtchen
April 1997
Der rote Vorhang füllt das ganze Bild. In der Mitte öffnet er sich und gibt den Blick frei auf einen Affen. Oder ist es ein nackter Mensch, der mit langen Armen dem Zuschauer entgegentritt? Auf dem Kopf trägt er eine Narrenkappe, die Clownsaugen schauen traurig, sein Körper ist unförmig und seine Haltung ungelenk. In dieser hilflos-sympathischen Art präsentiert Peter Vent, Maler aus Weimar, fast alle seine Figuren, die zur Zeit im Derneburger Glashaus ausgestellt sind.
Peter Vent ist ein feinsinniger Maler mit Sinn für Humor und einer genauen Beobachtungsgabe. Seine Arbeiten erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Die Farbschichten überlagern und durchdringen sich ebenso wie die Bildaussagen. Neben figürlichen Bildern beschäftigt sich Peter Vent auch mit der Landschaft. Diese meist großformatigen Arbeiten wirken fast abstrakt. Erst langsam erschließen sich aus den schnellen und lebendigen Pinselstrichen Strukturen von Bäumen, Feldern und Wegen. In einer grünen Landschaft sind ein Teich, ein Fluss, Bäume und Sträucher zu erkennen. Mittendrin überrascht eine Farbexplosion aus Rot und Gelb. Was zunächst wie ein Fremdkörper in dem Bild wirkt, entpuppt sich dann als ein blühender Busch, der die Wirklichkeit zu sprengen scheint.
Peter Vent hat eine Vorliebe für hintergründige Bildaussagen. Seine Figuren besitzen eine barocke Dekadenz, die sich in ihren dicken Körpern ausdrückt. Frauen verharren in Verzückung, die sie angesichts der erotischen Wirkung einer Sahnetorte überkommen haben. Sie scheinen kleine Stoßseufzer auszustoßen, wie die Frau in dem Bild „Freundinnen“. Ihr dickes Gesicht mit kleinem Kussmund und zusammengekniffenen Augen ist nach oben gestreckt, das gelbe Kleid mit weißem Ausschnitt zeigt viel weiße Haut.
Peter Vent schöpft aus einem Reichtum von Formen und Farben und seine Bilder sind wie lange Geschichten, die nie enden wollen. Vor allem die figürlichen Bilder erzählen Anekdoten aus dem täglichen Leben. Ihre Darstellung geht bis hin zur Karikatur, in der die liebens- und hassenswerten Seiten des Menschen mit Humor dargestellt werden. Da gibt es den Mann, braune Haut, weiße Hose und schwarze Haare, der in der Ecke steht und pinkelt. Oder eine lange Schlage von Menschen in einer winterlichen Landschaft vor einer Bushaltestelle. Sie haben schemenhafte, rote Gesichter und ihre großen weißen und schwarzen Mäntel schützen sie nicht nur vor der Kälte. Ein Mann und eine Frau mit rosa Haut stecken in einer hilflosen Umarmung in einer weißen Wolke, die sie zwar schweben lässt, aber ihre Unzulänglichkeit, wenn auch nur unvollkommen, verhüllt.

