Faszination an der Übernatürlichkeit und der Transzendenz des Menschen

September 2005

Die Bilder von Michael Schwach sind nicht von dieser Welt. Die Menschen, die auf ihnen wandeln, kommen aus einem anderen Raum, einer anderen Zeit oder einer anderen Kultur. Manchmal führen sie in das alte Ägypten oder in die Magie afrikanischer Welten. Michael Schwach zeigt keine individuellen Menschen, sondern meist schwarze Figuren in weiten, farbigen Gewändern, innig verbunden mit Tieren, darunter oft Vögel, Hunde oder katzenartige Geschöpfe.

Einige seiner Bilder, die im September im Glashaus augestellt werden, wirken sakra. Wie zum Beispiel der Engel im Gewand mit Flügeln aus Weiß und Gold. Michael Schwach bedient sich keiner christlichen Bildsprache, wie sie aus vielen Engeldarstellungen bekannt ist. Sein Engel überbringt keine Botschaft nach außen, sondern ist in sich gekehrt und die ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf einen goldenen Blumenstrauß, der auf seinem Herz liegt. Ein anderes Bild zeigt einen Priester mit einer großen Wasserschale. Allein das rot durchflutete Gewand und die hohe Kopfbedeckung, beides gold durchzogen, strahlen Würde, Anmut und Reichtum aus. Im Arm hält der Priester eine Schale, so groß wie ein Boot, mit einem geringelten Griff, auf dem ein Vogel hockt. Der Blick des Mannes ist entrückt, er ist innig verbunden mit etwas Unsichtbarem, das durch die geweihte Schale und dem Vogel zu ihm kommt.

Die Bilder von Michael Schwach enthalten keine religiöse Botschaft, sie sind religiös. Das heißt, sie beschäftigen sich mit der spirituellen Dimension des Menschen, mit seiner Verbindung zu einem Jenseits und höheren Welten. Was dieses Jenseitige ist, verrät kein Bild. Es bleibt ein intensiv spürbares Geheimnis, voller Schönheit, Anmut und Hingabe. Auf dem Bild „Meer“ liegen zwei Gondeln im Wasser, zwei dunkle große Schiffskörper mit geschwungenem Bug. Kein Mensch ist auf ihnen zu sehen, kein Fährmann. Aus dem Innern der Aufbauten schimmert hell goldenes Licht. Wer hier einsteigt, wird verwandelt und auf den Weg gebracht. Zentral in der Mitte strahlt der weite Horizont, wo Himmel und Erde sich berühren.

Michael Schwach malt den Übergang in andere Welten. Doch aus seinen Bildern spricht keine Angst vor dem Tod. Vielmehr die Faszination an der Übernatürlichkeit, an der Transzendenz des Menschen. Diese höheren Welten begleiten den Menschen auch schon zu Lebzeiten, auf den Bildern von Michael Schwach immer wieder symbolisiert durch die Tiere. Sie bereichern unser Leben und geben ihm einen Sinn. Das Angenehme an den Bildern von Michael Schwach ist, dass dieser Sinn offen bleibt und weder christlich oder islamisch festgelegt wird. Jeder kann ihn selbst entdecken.