Die afrikanische Seele ist nicht allein

Oktober 2005

Afrika – unendliche Weiten, Sternzeit Oktober, wir schreiben das Jahr 2005. So unbekannt wie die Weiten des Weltraums, so unbekannt ist die künstlerische Welt Afrikas im Herzen Europas. Eine Ausstellung im Glashaus zeigt jetzt Skulpturen aus Zimbabwe, ein Land im Norden des südlichen Afrikas, ein Land, in das sich wegen der Politik von Robert Mugabe kaum noch ein Tourist verirrt.

Die Anfänge der neuen zimbabwischen Bildhauerkunst liegen in den 50er Jahren. Es gibt drei Generationen von Bildhauern. Die erste Generation greift vor allem traditionelle Themen auf: Motive aus der Mythologie des Shona-Volkes und Sprichwörter. Der für Afrikaner wichtige Kontakt zu den Ahnen wird bildhauerisch umgesetzt. Die zweite Generation ist geprägt durch den Unabhängigkeitskrieg der 70er Jahre und fügt politische Themen hinzu, nimmt Alltagsszenen als Vorlage oder widmet sich der Frauenproblematik. Einige Künstler der dritten Generation sind in Europa ausgebildet, experimentieren mit unterschiedlichsten Materialien und arbeiten teilweise abstrakt.

Das Glashaus zeigt zusammen mit der Galerie Shona aus Hamburg Künstler der dritten Generation und eine beeindruckende Vielfalt von Themen und Techniken. Gemeinsam ist allen Künstlern, dass sie nicht abstrakt, sondern immer konkret figürlich denken. Intellektuelle Distanz, wie sie in der europäischen Kunst gepflegt wird, ist ihnen fremd. Das Glashaus wird von vielen „beseelten Steinen“ bevölkert, die menschliche Gefühle und Haltungen ausdrücken. Da gibt es grüne Gesichter wie ein Fisch mit einem zweiten Gesicht als Hut, lange geschwungene Körper mit Linien und einem aufgebrochenem Kopf, große tanzende geschwungene Formen und ein im Stein versunkener Körper, der friert.  Die Arbeit „Talking woman affairs“ zeigt 3 Frauen im Gespräch versunken, eine Szene, die durch die ganz unterschiedliche Bearbeitung des Steines lebendig wird. Ganz deutlich ist: die afrikanische Seele lebt nicht allein. Sie ist eingebunden in ein soziales Miteinander von Ahnen, Familie, Freunden und Verwandtschaft. Oft wachsen zum Beispiel mehrere Körper aus einem Stein, ineinander verwoben und voneinander abhängig.

Neben den Skulpturen zeigt der Maler Mamadou Diakhaté aus dem Senegal seine Bilder. Mamadou Diakhaté ist weder in seiner Malweise noch in seinen Absichten festgelegt. Er malt, um Bilder zu erzählen. Er malt mit den Fingern: Farben werden aufgestrichen reliefartig aufgetragen, sie fließen ineinander oder sie sind wild hingeworfen, getropft, gespritzt. Die Farben sind kraftvoll, energiegeladen, meditativ und mystisch. Seine Bilder erzählen von Afrika. Von der Größe und Weite afrikanischer Landschaften und den Stimmungen. Viele Bilder sind von Licht durchflutet und vermitteln eine Ahnung von der Größe und Schönheit Afrikas.

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