Jochen Eickmann

Der Sachensucher

Juli 2007

Eine Frage, die beim Betrachter moderner Kunst immer wieder aufkommt, lautet: was ist Kreativität? Eine Antwort auf diese Frage gibt die Ausstellung der Eisen- und Schrottskulpturen von Jochen Eickmann im Derneburger Glashaus: Kreativität ist die Kunst des Findens und Erfindens.

Den Erfinder kennen wir alle als wissenschaftliches Genie mit weißen Haaren, der sich irgendwelche bislang unbekannten Maschinen ausdenkt. Oder der Geschichtenerzähler, der Science Fiction erfindet, Geschichten aus einer noch unbekannten Zukunft. „Man, hat der sich etwas ausgedacht, darauf wäre ich nie gekommen!“ So bestaunen wir den Erfinder. Die Kreativität des Erfinders ist aktiv ins Unbekannte gerichtet.

Dann gibt es aber auch den Finder. Der Geschichtenerzähler sagt: „Solche Geschichten wie das Leben sie schreibt, kann ich mir selbst nicht ausdenken!“ und beobachtet seine Umwelt, um dort die Geschichten zu finden, der er erzählt. Die Kreativität des Finders ist zunächst passiv, aufnehmend und zurückhaltend, um dann in einem zweiten Akt ein Kunstwerk daraus zu formen.

Jochen Eickmann ist zu 90% Finder und der Rest ist Erfinder. Er findet Sachen, unübersehbar. Er findet Schrauben, Metallteile, Gießkannen. So wie Pipi Langstrumpf ist er Sachensucher und da kann man immer etwas finden. Jochen Eickmann sammelt schon sein Leben lang alltägliche Gegenstände aus Metall und sieht wahrscheinlich schon beim Sammeln nicht nur die Gebrauchsform, sondern die Form losgelöst von ihrem ursprünglichen Zweck. Und er gibt ihr eine neue Bedeutung.

So werden aus Zahnrädern runde Köpfe, aus Muttern dicke Hände, aus Stahlfedern schlanke Körper, aus Ketten lange Beine, aus Wärmflaschen runde Bäuche, aus Röhren gestreckte Arme, aus Unterlegschrauben abstehende Ohren, aus Scharnieren gelenkige Arme, aus Muttern große Augen, aus Kneifzangen wohl geformte Arme mit Schultern und Beine mit Becken. Aus Draht werden zu Berge stehende Haare, aus Heizspiralen biegsame Körper, aus Kugellagern runde Gesichter, aus Glocken modische Hüte.

Aus diesen zusammengefundenen Sachen baut Jochen Eickmann menschliche Figuren, Blumen und Tiere. Er gibt jedem Ding eine neue Bedeutung ohne die alte zu verstecken. Das Original wird nicht verfälscht und so ergibt sich ein lustiges Spiel zwischen der Wahrnehmung einer Gartenschere und dem Erkennen eines lang gezogenen Vogelkopfes. Ganz selten formt Jochen Eickmann etwas selbst, wie zum Beispiel die Geige aus mehreren Blechen. Fast immer sind die Gegenstände auch unbehandelt, roh. Die Ausnahme sind ein paar Blumen aus Metall, veredelt mit silberner und goldener Farbe.

In der Ausstellung sind die Figuren zu zwei großen Themen geordnet: eine Gruppe großer Musiker und eine Gruppe kleiner Gärtner. Wahrscheinlich zwei Tätigkeiten, die Jochen Eickmann liebt und diese Liebe sieht man auch seinen Figuren an.

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