Formale Grundsätze schaffen neue Sichtweisen
März 2009
Thomas-Wilhelm Becker ist ein Fotograf mit hintergründigem Humor und ein Mann mit Feinheiten. Er mag nicht die plakative Geste sondern vielmehr die versteckte Botschaft. Seine Fotos, die im März im Derneburger Glashaus ausgestellt sind, erzählen in ruhiger Art und zeugen von einer genauen und sensiblen Beobachtungsgabe. Wie viele der „klassischen Fotografen“ bevorzugt Thomas-Wilhelm Becker die Schwarz-Weiß Fotografie und die analoge Technik.
Alle Personen auf den Bildern von Thomas-Wilhelm Becker wissen, dass sie fotografiert werden. Der Fotograf lauert nicht mit dem Teleobjekt auf seine Beute, sondern bittet die Menschen zu einem fotografischen Treffen, das er bis in die letzten Einzelheiten inszeniert. Zwischen dem Betrachter und dem Bild steht unverhüllt das Medium Fotografie. So schaut die New Yorkerin Sherri, die Thomas-Wilhelm Becker auf der Straße um ein Foto gebeten hat, durch die Kamera, die der Fotograf hält, auf den Betrachter des Bildes. Sie liefert sich diesem Blick in einer distanziert freundlichen Haltung aus, die ihre Würde und Unverletzlichkeit bewahrt.
Die Reihe der Väter fotografierte Thomas-Wilhelm Becker in der Tradition einer „sachlichen“ Fotografie von August Sander. So wie dieser um vor dem zweiten Weltkrieg die Deutschen und ihre Berufe mit wissenschaftlicher Neugier dokumentierte, so zeigt er Väter und ihre Kinder mit einem vergleichenden Blick, der nicht kommentiert und um so mehr die Eigenheiten und Verschiedenheit der Menschen zum Vorschein kommen lässt.
In einer Serie von 3 Aufnahmen ist ein Foto von Prominenten der Ausgangspunkt: Bundespräsident Horst Köhler bei einer Begrüßung oder Bürgermeister Kurt Machens bei einer Ausstellungseröffnung. Die Ausgangsszene wird in einem zweiten Foto akribisch nachgestellt – mit ganz privaten Menschen. Das dritte Bild schließlich assoziiert die Anfangsszene frei mit neuen Mitteln. So wird aus einer Diskussion auf der Bühne eine liegende Nackte mit Telefon oder aus der Rede zur Ausstellung ein Selbstportrait des Künstlers in der Ausstellung. Von Bild zu Bild schleppt Thomas-Wilhelm Becker die gleichen Requisiten mit: Möbelstücke, Schilder oder Köpfe und er übernimmt die Komposition des Bildes mit austauschbaren Figuren. Formale Prinzipien spielen in diesen Bilderserien eine wichtige Rolle und die Dinge werden wichtiger als die Menschen. Gleichzeitig haftet den Bildern eine Situationskomik an. Die Menschen sind austauschbar und verlieren ihre Wichtigkeit. Neue ungeahnte Situationen entstehen durch formale Grundsätze und schaffen neue Sicht- und Denkweisen.



