Warme Farben im kalten November

November 2010

Was braucht der Mensch in kalten und nassen Novembertagen? Warme Kleidung und ein geheiztes Zuhause, werden die meisten sagen. Aber er braucht auch noch Frederick, die kleine Feldmaus aus dem Kinderbuch von Leo Lionni, die keine Körner sammelt, sondern Sonnenstrahlen für die kalten und dunklen Wintertage. Im Glashaus spielen Heidrun Lindenberg aus Bockenem und Bernhard Deister aus Holle die berühmte Feldmaus, denn sie stellen farbenfrohe Bilder im tristen November aus.

Heidrun Lindenberg malt gerne Blumen und Landschaftsmotive. Während sie sich in den Ansichten von Gebäuden, wie bei der Michaeliskirche oder dem Schloss Derneburg, gerne ins Detail vertieft, malt sie die Landschaften großzügiger mit der Liebe zu Farbe und Stimmungen. Das Bild „Morgenstimmung im Königshafen“ ist fast nur von Blautönen durchzogen, eine Trennung von Land, Wasser und Gebäuden findet gar nicht statt. In dieser wilden Blaustimmung tauchen Boote, Bäume und Häuser wie aus einem Dunst auf und verbinden sich mit dem großen Ganzen. Das Bild „Friedrichstraße“ ist sehr expressiv und von einem faszinierenden Kontrast zwischen fest und bewegt bestimmt. Während die Gebäude statisch und mit festem Pinselstrich dastehen, fließen die Farben auf der Straße und auf dem Himmel. Die Straße erscheint wie eine zu lang belichtete Fotografie von bewegtem Verkehr und der Himmel explodiert in farbigen Sonnenstrahlen.

Einem großen Thema hat sich Heidrun Lindenberg in einer Serie von 7 Bildern angenommen: Der Schöpfung. Hier bebildert sie die 7 Tage in 7 Bildern mit den großen Themen der Entstehung der Welt. Das erste Thema, die Trennung von Licht und Finsternis, zeigt die Malerin noch ganz abstrakt und bis auf das Auge in eher geometrischen Formen. Das letzte Bild, der Ruhetag, zeigt dann eine organische Welt mit einem dynamischen Himmel, in der ein freundliches Gesicht auftaucht. Dazwischen werden die Erschaffung der Tiere und des Menschen in einer erdigen Malerei und die Trennung von Land und Meer in einer großartigen Landschaftsmalerei dargestellt.

Bernhard Deister zeigt im Glashaus Blumen, Landschaften und Portraits. Eine Serie von Blumenmotiven fasziniert durch ihren radikalen Ausschnitt. Organische Formen fließen durch das Bild und sind mehr eine Erinnerung an die Pflanzen als eine realistische Abbildung des  Motivs. Hier lodern die Farben wie Feuer, stehen weiße Formen wie Statuen im Licht oder spielen bunte Flächen ein fröhliches Spiel miteinander.

Die Farben sind kräftig und harmonisch, genau wie auf den 3 Landschaften, die aber sehr viel geometrischer ans Licht treten. Hier sind die Bäume, Straßen, das Meer und der Strand abstrakt vereinfacht. Ein Kreis wird zu einem Baum, eine gerade Linie zu einer Straße und eine blaue Fläche zum Meer. Die Landschaftsbilder geben mehr das Geistige in der Kunst wieder, während die Blumenbilder mehr von der Natur angeregt sind. Ein Kontrast, der die gesamte Kunstgeschichte durchzieht.

Die Portraits von Bernhard Deister leben von einem spannenden schwarz-weiß Kontrast. Auf den sehr genau herausgearbeiteten Gesichtern findet sich das hellste Weiß und das tiefste Schwarz. Dazwischen liegen alle Grautöne, die einen sehr lebendigen Eindruck der abgebildeten Person vermitteln. Auch wenn man nicht weiß, wer die abgebildeten Personen sind, so steht man doch vor Persönlichkeiten mit Bedeutung, denen man mit viel Respekt begegnet.