Verbundenheit voller Kraft und Magie

April 2005

Die neue Ausstellung im Glashaus entführt die Besucher in ein unbekanntes Land. Vielen wird es gehen wie August Macke und Paul Klee, als diese 1914 in Afrika ankamen und von dem Licht und der Farbenpracht überwältigt wurden. Doch es reicht in das Glashaus zu reisen, denn dort stellt der Maler Zaki Al Maboren aus dem Sudan seine Arbeiten aus, in denen er afrikanische Tradition mit deutscher Wirklichkeit verbindet.

In seinen Bildern betont Zaki immer die Fläche und nicht die Form. Die Figur ergibt sich durch ihren Umriss und wird nicht modelliert. In ihrem Innern toben die Farben, selbständig und frei – losgelöst von der äußeren Wirklichkeit. Ein gutes Beispiel dafür ist das Bild „Ein Vogel in der Kreidelandschaft“. Die aufgeklappte Fläche des Vogels bietet viel Raum für eine tiefdunkle Farbigkeit, der schwarze Grund wird von grünen, blauen, gelben und roten Strukturen durchzogen. Entgegen früheren Bildern des Künstlers sind die Farben nicht wie ein Mosaik streng voneinander getrennt, sondern durchdringen sich gegenseitig und betonen die Wildheit des Vogels. Zusammen mit den bunten Blütenkelchen auf weißem Grund ergibt sich ein Eindruck von Kraft und Magie: der Vogel wird zum religiösen Objekt.

Gleich daneben hängt das Bild „Am Wasserspiegel“. Zunächst nur eine grün-blaue Wildheit, unergründlich und tief. Doch aus einer Art Wolke formt sich ein Vogel, ein stilisierter Mensch tanzt wie ein Medizinmann und daneben blüht die Vegetation. Alles ist in die gleiche faszinierende Farbigkeit getaucht und damit ist alles eins: Der Mensch, das Tier und die Pflanzen. Das ist die Weisheit, die der Vater von Simba in „König der Löwen“ seinem Sohn anvertraut: Wir sind alle Teil der Natur, eines großen Kreislaufes, der immer wieder von Vorne beginnt. Aus diesem Bild strahlt eine tiefe Verbundenheit voller Zauber und Geheimnis.

Fast alle Bilder in der Ausstellung sind auf weißem Grund gemalt. Das heißt, vielmehr hat Zaki Al Maboren die Zwischenräume in seinen Bildern mit weiß gefüllt, denn das Weiß bleibt von den tiefer liegenden Schichten durchzogen und viele Farben schimmern durch es hindurch. Der weiße Grund erinnert an den Goldgrund religiöser Malerei aus dem Mittelalter. Der Goldgrund symbolisierte die göttliche Welt im Gegensatz zur irdischen Wirklichkeit. Auch Maborens Bilder sind mit dem weißen Hintergrund von der realen Welt entrückt. Er taucht sie aber mit dem Weiß in die Göttlichkeit des Lichts. Gold betont die Abstraktion oder die Unerreichbarkeit des Göttlichen. Das weiße Licht ist das Licht aus dem alles entsteht, in dem alles schon vorhanden ist und aus dem sich das Leben formt. Maborens Bilder haben den verführerischen Charme afrikanischer Identität. Göttliches und Irdisches, spirituelle Tiefe und Lebensfreude sind nicht getrennt, sondern miteinander verbunden in einem Fest des Lebens, in einem Fest der Bilder.

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