Von Männern für Männer über Männer

September 2002

Der eine lässt du Muskeln spielen, der andere schaut den Frauen hinterher, der nächste schiebt die Karre aus dem Dreck. „Mannsbilder“ nennt sich die Ausstellung im Glashaus, die 76 Fotos von Männern über Männer zeigt, die alles eins gemein haben. „Den Mann“ gibt es nicht, es gibt eine Vielzahl von Männern mit ganz unterschiedlichen Haltungen.

Mehr Ordnung in diese Vielfalt brachte der Leiter der Männerarbeit der ev.-luth. Kirche, Jens-Peter Kruse. In seinem kurzen Vortrag zur Ausstellung unterschied er zwischen 4 Männertypen: Der neue Mann, der sich vom traditionellen Männerbild verabschiedet hat und eine aktive Rolle in der Familie übernimmt. Der traditionelle Mann, für den die Erwerbsarbeit Männersache und die Hausarbeit Frauensache ist. Der pragmatische Mann, der wie ein „Rosinenpicker“ die Vorteile der Frauenemanzipation nutzt, ohne sich selbst wesentlich zu verändern. Und schließlich der unsichere, verunsicherte Mann, der zwischen allen Stühlen sitzt.

„Die Krise der Männlichkeit“, so Jens-Peter Kruse, „ist unübersehbar.“ Das hört natürlich kein Mann so gern. Schon deshalb ist der Männermonat im Glashaus ein Wagnis, versucht er doch mit Männern über ihre Männlichkeit ins Gespräch zu kommen. Auch Reiner Wegner, Schirmherr der Veranstaltung, hatte, wie er freimütig zugab, zunächst Probleme mit dem Männermonat. Als Landtagsabgeordneter ist er unter anderem auch Mitglied im Ausschuss für Gleichberechtigung und Frauenfragen im Niedersächsischen Landtag. Darf man dann auch Männer fördern? Doch schnell machte Reiner Wegner klar, dass gerade ein Männermonat die dringenden Fragen der Gleichstellung aufgreift und als Männerthema begreift.

Die gut ausgewählte Ausstellung mit ästhetisch schönen Fotos ist eine Fundgrube zum Thema Männlichkeit. Doch in der Vielfalt steckt auch ein Stück Beliebigkeit. Alle Fotos zusammen sind wie ein Kaleidoskop und beziehen weder Stellung noch wirken sie provokant. Die Selbstfindung der Männer treibt diese Ausstellung nicht voran. Sie ist ein erster Schritt, den Mann zum Thema zu machen und das ist ja auch schon viel.

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